Mitarbeiter der "New York Times" in China verurteilt
Zhao Yan ist wegen Betrugs vom Zweiten Volksgericht in Peking zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Vom Vorwurf des Geheimnisverrats wurde er freigesprochen.
Zhao Yan, chinesischer Mitarbeiter der New York Times, ist wegen Betrugs zu einer Haft von drei Jahren verurteilt worden. Weiter muss er eine Strafe von 2000 Yuan (196 Euro) und Schadensersatz in Höhe von 20.000 Yuan leisten. Allerdings wurde Zhao Yan laut People's Daily von dem Vowurf freigesprochen, Staatsgeheimnisse veröffentlicht zu haben. Die Staatsanwaltschaft habe dem Gericht keine ausreichenden Beweise vorgelegt.
Dieser Urteilsspruch sei überraschend, weil das Zweite Volksgericht in Peking nicht wie sonst der Staatsanwaltschaft folgte, berichtet dpa. Zhao Yan sitzt seit fast zwei Jahren im Gefängnis. Wegen guter Führung hätte er Anspruch auf vorzeitige Entlassung. Wegen eines Nierenleidens und einer Hautkrankheit könnte Zhao Yan auch aus "medizinischen Gründen" auf Bewährung freigelassen werden, meinte Frank Lu vom Informationszentrum für Menschenrechte und Demokratie in Hongkong.
Die Anklage stand im Zusammenhang mit einem Artikel in der New York Times im September 2004 über den Rückzug des früheren Staats- und Parteichefs Jiang Zemin aus der mächtigen Militärkommission, der zwei Wochen später erfolgte. Dem kurze Zeit später festgenommenen Zhao Yan wurde zwar nicht vorgeworfen, diese Information besorgt zu haben, die Anklage bezieht sich aber vor allem auf handschriftliche Notizen vom Juli 2004 über Rivalitäten zwischen Jiang Zemin und seinem Nachfolger Hu Jintao bei der möglichen Beförderung von zwei Generälen. Diese Informationen standen ebenfalls in dem Artikel über Jiang Zemin vom September. (anw)