Niederländer bereiten sich auf Klimawandel vor
Niederländische Wissenschaftler arbeiten an einer umfassenden Simulation, mit der die Risiken bewertet werden sollen, die sich für das Land aus dem Klimawandel ergeben. Das berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.
Niederländische Wissenschaftler arbeiten an einer umfassenden Simulation, mit der die Risiken bewertet werden sollen, die sich für das Land aus dem Klimawandel ergeben. Das berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (seit dem 26.7. am Kiosk oder online zu bestellen). Noch in diesem Herbst hoffen die Forscher dem Parlament einen daraus resultierenden Plan zur Anpassung an den Klimawandel präsentieren zu können, ab dem kommenden Jahr wollen sie ihn dann umsetzen.
Den Anstoß zu diesem Vorhaben lieferte vor allem Hurrikan Katrina, der im Jahr 2005 New Orleans überflutet hatte. In der Vergangenheit hatten die Niederlande – wie andere Nationen auch – eine einfache, aber recht beruhigende Herangehensweise an den Katastrophenschutz: Nach einer Überschwemmung mit 2000 Toten im Jahr 1953 wurden entlang der Nordsee-Flanke riesige Dämme und Barrieren errichtet, deren mächtigste für Ereignisse ausgelegt sind, die nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10.000 auftreten. Dass die Niederländer bislang auf weitere Forschungen auf diesem Gebiet verzichteten, ist ironischerweise das Ergebnis dieses effektiven Flutschutzes. Seit 1953 blieb das Land von Flutkatastrophen verschont. Allerdings stammen die Berechnungen aus dem Jahr 1960.
Der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels ist für die neuen Berechnungen zwar ein gewichtiger Faktor, doch er geht so langsam vonstatten, dass er zumindest kurzfristig nicht zu den Top-Gefahren zählt. Konkrete Unbill droht den Niederlanden eher von einem anderen Gewässer: In Gegenden wie Rotterdam könnte der Rhein über die Ufer treten. Zudem lässt die Verrottung der niederländischen Torferde das Land schneller sinken, als der Meeresspiegel ansteigt. Neue Straßen und andere Infrastrukturwege bieten darüber hinaus eventuellen Fluten neue Fließwege und bedrohen so ebenfalls die – wachsende – Bevölkerung.
Den Rhein haben sich deshalb 20 Geologen und Klimatologen vom Alterra Forschungsinstitut an der Universität Wageningen vorgenommen: Sie wollen eine Methode entwickeln, mit der sich seine Pegelstände genau vorhersagen lassen. Dazu betrachten sie den ganzen Fluss als System, angefangen von der Quelle in den Schweizer Alpen über Deutschland bis nach Rotterdam und von dort in die Nordsee. Großes Gewicht kommt dabei der Frage der Flächennutzung zu, denn hier erwarten niederländische Forscher radikale Veränderungen: Bis 2050 sollen europaweit bislang landwirtschaftlich genutzte Gebiete von der Größe Deutschlands entweder bebaut oder wieder aufgeforstet werden. Das wiederum wird große Auswirkungen auf die Wege haben, über die sich die gefürchteten Überschwemmungen ausbreiten. (wst)