Die digitale Wirtschaft wächst
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) freut sich über wachsende Umsätze besonders bei der Online-Werbung und sieht in dem Fachkräftemangel eine Konjunkturbremse für die Branche.
Die digitale Wirtschaft Deutschlands wächst und beklagt einen Fachkräftemangel. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) stellte am heutigen Donnerstag auf der CeBIT die Kernzahlen der Bereiche E-Commerce, Online-Werbung und digitale Dienstleistungen für das Jahr 2006 vor. Dank zunehmender Nutzung von Online- und Mobilangeboten kletterten die Umsätze des gesamten Online-Werbemarktes im vergangenen Jahr um 85 Prozent auf mehr als 1,9 Milliarden Euro. Die Zahlen des BVDW liegen damit deutlich über denen des Bitkom-Verbandes. Die Online-Werbung sei inzwischen ein fester Bestandteil in der Mediaplanung der Werbetreibenden und komme auf einen Anteil am Gesamtwerbemarkt von 8,9 Prozent. Das Wachstum soll sich auch im laufenden Jahr fortsetzen, der Verband erwartet eine Steigerung um 33 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Weniger steil verläuft die Wachstumskurve im E-Commerce, hier stiegen die Umsätze 2006 um 12,5 Prozent auf nunmehr 16,3 Milliarden Euro.
Von der allgemeinen Entwicklung profitieren auch die Internet- und Multimedia-Dienstleister, die Branche konnte ihre Umsätze im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen um rund 18 Prozent steigern. Die Entwicklung sei dabei jedoch nicht allein auf die so genannten Web-2.0-Anwendungen zurückzuführen. Das Wachstum hänge aber auch mit der zunehmenden Verfügbarkeit des mobilen Internets und den neuen Möglichkeiten zusammen, die sich aus der Erhöhung der Übertragungskapazitäten ergeben, erklärte BVDW-Vizepräsident Ravin Mehta von der Pixelpark AG den positiven Effekt der zunehmenden Verfügbarkeit breitbandiger Internetzugänge. Interessant sei darüber hinaus zu beobachten, welches kommerzielle Potenzial in neuen Nutzungsfeldern wie etwa Podcasts, Spielen und virtuellen Welten stecke.
Wie die Verbände Bitkom und VDI beklagte auch der BVDW den akuten Fachkräftemangel, nannte aber keine Zahlen. Das sei auch ein hausgemachtes Problem, räumte Vizepräsident Harald Fortmann ein, die Branche habe es nach der Krise versäumt, rechtzeitig in den Nachwuchs zu investieren. Allerdings sieht der Verband hier auch die Verantwortung des Bildungssektors, für geeignete Ausbildungsgänge und Weiterbildungsmöglichkeiten zu sorgen. Zudem erschweren komplizierte Verfahren die Einstellung ausländischer Fachkräfte. "Allein nach der Politik zu rufen, hat sich als wenig effektiv herausgestellt", sagte Fortmann. "Wenn sich schnell etwas ändern soll, werden wir eigene Wege finden müssen." Der BVDW will nun eine Initiative mit Beteiligung verschiedener Bildungsträger, der Industrie sowie anderer Organisationen und der Öffentlichen Hand starten.
Der Verband wies nicht nur in diesem Zusammenhang auf die hemmende Wirkung der politischen Regulierung hin. "Leider müssen wir feststellen, dass der Gesetzgeber sowie andere politische Entscheidungsträger auch in anderen Bereichen nicht gerade als Unterstützer der digitalen Wirtschaft in Erscheinung tritt", bemängelt BVDW-Präsident Arndt Groth. "Am deutlichsten zeigen das die Ausweitung der GEZ-Gebühren auf Unternehmen und Freiberufler, das starre Festhalten an einem anachronistischen Rundfunkstaatsvertrag sowie die populistische Debatte um die Speicherung von Verbindungsdaten." Insgesamt würden die politischen Entscheidungsträger die Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen im internationalen Kräftemessen eher schwächen. "In erster Linie gilt es dann, freien Wettbewerb zu ermöglichen und nicht durch restriktive Rahmenbedingungen Wachstumschancen im Keim zu ersticken", forderte Groth. (vbr)