Sand, Salzwasser und ein rauer Umgang sind die natürlichen Feinde jeder herkömmlichen Kamera. Am Strand sind sie deshalb oft fehl am Platz. Spezielle Outdoorgeräte können da völlig neue Perspektiven eröffnen. Wir geben einen aktuellen Überblick.
Deutschland geht in den Urlaub – zumindest bald. Wer seine Strand- oder Bergabenteuer richtig dokumentieren will, braucht dazu eine Kamera, der Wasser, Sand, Staub und ein kleiner Sturz nichts anhaben können. Die Auswahl an kompakten Outdoor-Kameras, die genau dafür gerüstet sein wollen, ist groß. Wir helfen, die passende Spur im Sand zu finden.
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Das gibt es. Outdoor-Kameras lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen, eines der simpelsten ist der Preis. Er ist ein guter Indikator dafür, was an Ausstattung und Funktionen erwartet werden kann.
Günstig: Die BenQ LM100 gehört zu den Einsteiger-Outdoorkameras.
(Bild: BenQ)
Robuste Kameras gibt es schon für um die 100 Euro. Aktuell gehören dazu beispielsweise Rolleis Sportsline 99, die es derzeit schon für etwa 120 Euro gibt, oder BenQs LM100, die schon für knapp 130 Euro zu haben ist. Teilweise tummeln sich hier bereits die Einsteigermodelle der Markenhersteller wie Olympus' TG320 oder Fujifilms XP50. Gemein ist diesen Kameras oft ein kleiner CCD-Sensor und ein eher lichtschwaches Zoomobjektiv (ab f/3.1, meist schlechter). Der Weitwinkelbereich liegt in der Regel bei 25 mm / 28 mm, was völlig in Ordnung geht. Tauchen können diese Kameras in der Regel bis auf maximal fünf Meter, sie überstehen Stürze aus maximal 1,5 Metern, das Gehäuse ist staubgeschützt. Features wie GPS, Höhenmesser oder Kompass sind eher die Ausnahme. Für Schnappschüsse am Strand reichen sie allemal, eine hochwertige Kompakte können sie aber nicht erstezen.
Die Outdoor-Kamera FT20
(Bild: Panasonic)
Wer mehr als 250 Euro investiert, tastet sich schon an die besseren Modelle der Markenhersteller heran. In diesem Bereich liegen beispielsweise Olympus’ TG820 (etwa 280 Euro), Sonys TX20 (350 Euro, noch nicht verfügbar), Nikons AW 100 (ca. 280 Euro) oder auch Pentax’ WG2 (ca. 270 Euro). Die Kameras in diesen Preisregionen sind noch robuster, können bis zu zehn Meter tief tauchen, sind oft auch bruchsicher. Die Objektive werden langsam lichtstärker, ein fünffach Zoom ist fast Standard. Der Nahbereich liegt in der Regel schon unter drei Zentimetern. Außerdem bringen sie häufig bessere Displays mit – teilweise mit Touchnavigation –, oder Features wie 3D oder GPS.
Die TG-1 ist das Flaggschiff von Olympus' Tough-Serie.
(Bild: Olympus)
Um die 400 Euro liegen die Outdoor-Kameras, bei denen der Fotograf die wenigsten Kompromisse eingehen muss. Dazu gehören beispielsweise Canons D20, Panasonics FT4 oder Olympus TG-1, die im Juni im Handel erhältlich sein soll. Wassertiefen von bis zu zwölf Metern sind für diese Vertreter ebenso wenig ein Problem wie mechanische Belastungen von 100 Kilogramm. Herausragend ist hier die soeben vorgestellte Olympus TG-1: Sie ist nicht nur hart im Nehmen, sie erreicht auch eine für diese Kameragattung ungewöhnlich große maximale Blendenöffnung von f/2.0. Das schafft kein anderes aktuelles Modell. Canons D10 erreicht den Wert zwar auch, die aktuelle Nachfolgerin D20, die im Mai erwartet wird, bietet nur noch f/3.9. Fast schon obligatorisch in dieser Klasse sind GPS, Kompass, Höhenmesser oder 3D-Funktionen.
Details zu den einzelnen Modellen zeigt unsere Fotostrecke.
Die AW130 ist Nikons Spitzenmodell bei den Outdoorkompakten. Sie bietet ein fünffaches Zoomobjektiv, das in Weitwinkelstellung bei 24 Millimeter Brennweite mit einer Offenblende von f/2.8 startet. Die AW130 soll bis zu einer Tauchtiefe von 30 Metern dicht halten. Stürze überlebt sie laut Nikon aus einer Höhe von bis zu zwei Metern. Und bei bis zu minus 10 Grad kann sie auch auf der Skipiste betrieben werden. GPS ist ebenso an Bord wie WLAN samt NFC. (Bild: Nikon)
Darauf müssen Sie achten. Überlegen Sie sich vor dem Kauf genau, wofür Sie eine Outdoorkamera brauchen. Soll es ein Modell für die Kids zum Toben am Strand sein – dann reichen die günstigen Einsteiger. Wollen Sie damit aber ernsthaft ihren Urlaub dokumentieren, sollten Sie etwas mehr Geld investieren und auf ein paar Details achten.
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Zum einem kommt es auf die Lichtstärke des vorhandenen Objektivs und dessen Weitwinkelbereich an. Unter Wasser gibt es eine Brennweitenverlängerung: Wasser hat eine höhere Brechzahl als Luft, die Kamera lichtet unter Wasser alle Gegenstände ein Drittel größer und ein Viertel näher ab. Achten Sie deshalb auf eine Optik, die mindestens einen Weitwinkelbereich von 28 mm erreicht.
Wer bedenkenlos mit einer Kamera tauchen will, muss einiges beachten.
(Bild: Sony)
Da Wasser auch Licht anders absorbiert als Luft, empfiehlt sich außerdem, eine lichtstarke Optik mit einer maximalen Blendenöffnung von f/2.8 zu wählen. Die Auswahl ist hier eher mau, solche Werte gibt es nur bei den teuren Outdoorkameras. Um Billigheimer mit Fixfokus oder fester Brennweite sollten sie einen großen Bogen machen. Achten Sie außerdem auf einen Nahbereich, der deutlich unter zehn Zentimetern liegt, sodass Sie einem Motiv möglichst nah auf die Pelle rücken können und die Schnappschüsse nicht zu Suchbildern geraten.
Nicht schaden kann es außerdem, wenn Ihre neue Outdoor-Kamera mit Unterwasser-Modi für einen optimierten Weißabgleich ausgestattet ist. Damit Sie die Kamera unter Wasser nicht verlieren können, hilft eine schwimmende, festsitzende Handschlaufe.
Wer die Unterwasser-Fotografie ambitionierter betreiben will, achtet darauf, dass für die Kamera ein Unterwassergehäuse verfügbar ist. Mit ihnen übersteht die Outdoorknipse auch Tauchgänge bis in eine Tiefe von 40 Metern oder mehr. Günstig ist das allerdings nicht: So kostet beispielsweise die Spezialhaut PT-052 für die Olympus TG820 um die 250 Euro. Canon bietet für die D20 das Gehäuse WP-DC45 an und will dafür ebenfalls knapp 200 Euro. Dazu haben sich Hersteller beziehungsweise Händler wie Ikelite, DidiCamCase oder Ewamarine auf Unterwassergehäuse spezialisiert und bieten die Geräte für verschiedene Kameratypen an. Diese sind oft günstiger als die Originale der Kamerahersteller, was sie leisten können ist allerdings auch sehr unterschiedlich. Studieren Sie Testberichte und lassen Sie sich im Fachhandel beraten, um den für Sie besten Kompromiss zu finden.
Bedenken Sie außerdem, dass die Hersteller empfehlen, die Dichtungen der Kamera regelmäßig zu wechseln. Das kann relativ hohe, je nach Hersteller unterschiedliche, Folgekosten nach sich ziehen, die Sie unter anderem beim jeweiligen Kundenservice erfragen können.
Weitere Infos rund um Outdoor-Kameras und Unterwassergehäuse finden Sie auch im Artikel "Wasserdichte Kameras " in der c't Digitale Fotografie 3/2010.
(ssi)