DĂĽrrekatastrophen als Wartungsproblem
Das Weltklima ist eine Baustelle, denken sich nun auch deutsche Forscher - und suchen nach einem Plan, es umzubauen.
- Robert Thielicke
Das Weltklima ist eine Baustelle, denken sich nun auch deutsche Forscher – und suchen nach einem Plan, es umzubauen.
Diese Woche gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG bekannt, dass 18 Wissenschaftler mit ihrem Geld untersuchen dürfen, ob Climate Engineering funktionieren könnte. Sie sollen klären, ob Menschen im All riesige Reflektoren installieren sollten, um das Sonnenlicht abzuhalten oder das Meer mit Eisen düngen können, damit die dort schwimmenden Algen mehr Kohlendioxid aufnehmen – und so die Erde ein wenig abzukühlen. Sechs Jahre sind dafür veranschlagt. Das ist schön für die Forscher. Aber müssen es wirklich sechs Jahre sein? Das Ergebnis ist schließlich auch jetzt schon klar: Climate Engineering wird nicht funktionieren. Man kann dazu eine Sondierungsstudie lesen, die 2011 im Auftrag des Bundesforschungsministeriums entstand:
"Für ein besseres Verständnis der Technologien wären großräumige Feldversuche notwendig, die von großangelegten Monitoring-Programmen begleitet sein sollten. Eine zweifelsfreie Identifizierung und Quantifizierung der Wirkung und der Nebenwirkungen würde auch bei einem bestmöglich angelegten Großversuch viele Jahre bis Jahrzehnte dauern. Eine solche Periode ohne große gesellschaftliche und politische Belastungen durchzuhalten, dürfte zu einer der Herausforderungen des Climate Engineering zählen."
Man kann daraus lesen: „Vergesst es“.
Man kann zu diesem Schluss aber auch kommen, würde man sich die Konsequenzen der Klimabastelei ausmalen. Fangen riesige Reflektoren in der Erdumlaufbahn Sonnenstrahlen ab, was passiert, wenn sie abstürzen? Die Sommer dürften ziemlich plötzlich ziemlich heiß werden. Schwimmen gigantische Turbinen wie vorgeschlagen auf dem Meer, um künstliche Wolken zu produzieren – was geschieht, wenn sie Schiffbruch erleiden? Dann bleibt wohl der Regen aus. Hitzetote in Europa sind das Ergebnis einer Fehlsteuerung, die Dürrekatastrophe in der Sahelzone wird zum Wartungsproblem. Für das Klima ist der Kundenservice zuständig. Welche Firma will da die Garantieleistung übernehmen?
Trotzdem wäre dies wohl noch die angenehmere Folge. Wahrscheinlicher ist, dass die Maßnahmen ein System aus dem Gleichgewicht bringen, von dem wir noch nicht einmal genau wissen, wie dieses Gleichgewicht funktioniert. Wenn wir den Niederschlag erhöhen, wer garantiert, dass nicht auch ungewollt die Wucht der Wirbelstürme zunimmt? Wenn wir den Ozean ausufernd mit Eisen düngen, wer sichert zu, dass die aufblühenden Algen nicht das gesamte Nahrungsnetz im Meer verschieben?
Wie schwer das System auszurechnen ist, zeigt gerade der Kohlendioxid-Anstieg. Seit fast vier Jahrzehnten untersuchen Wissenschaftler seine Folgen für die Erde, doch nach wie vor existieren große Unsicherheiten. Nahezu sicher ist nur: Verdoppelt sich die Menge an Treibhausgas in der Atmosphäre, erhöht sich die Temperatur zwischen 2 und 4,5 Grad Celsius. Noch unklarer ist, welche Folgen diese Erwärmung hat und wie gravierend sie sein werden. Denn wer in das System eingreift, muss kräftige Ausschläge befürchten. Mit dem Kohlendioxid-Ausstoß tun wir es bereits, wir sollten es über Climate Engineering nicht noch komplizierter machen. Das Vorhaben gleicht dem Versuch, einen kaputten Motor mit besonders explosivem Treibstoff wieder zum Laufen zu bringen. Man hat ein Problem - und setzt ein weiteres obendrauf. Vielleicht sollte man das Geld besser investieren, um das Problem zu beseitigen.
(rot)