Microsoft-Chef würdigt und relativiert Googles Geschäftserfolg

Im wesentlichen gründe Googles Erfolg auf einem Geschäftsmodell, erläuterte Steve Ballmer Studenten seiner ehemaligen Universität. Microsoft sei hingegen kein "one-trick pony".

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Microsoft-CEO Steve Ballmer mag mitunter aufbrausen, ihm könnte aber auch Humor nachgesagt werden, wenn man dem Transkript einer Fragestunde der Graduate School of Business der Stanford-Universität folgt. In seiner ehemaligen Alma Mater bescheinigte er dem Suchmaschinendienstleister Google, er habe ein "sehr gutes Geschäft" aufgebaut. "Aber sie machen nur eine Sache. Alles andere ist possierlich." Auf das nun einsetzende Gelächter der Anwesenden räumte Ballmer ein, auch Microsoft habe sich mitunter in "niedliche" Vorhaben verstiegen, zum Beispiel bei den Bemühungen in der Roboter-Entwicklung.

Google habe schneller die 10-Milliarden-Dollar-Marke erreicht als Microsoft, beschreibt Ballmer den rasanten Aufstieg des Suchmaschinenprimus'. Sein Unternehmen habe aber nicht nur auf ein Kerngeschäft gesetzt, sondern bislang mit dem Desktop und Servern auf zwei. Derartige Mehrseitigkeit ("two-trick pony") sei selten in der Geschichte der Geschäftswelt. Und nun kämen mit Online-Werbung und mit der Xbox – den Musikplayer Zune erwähnte Ballmer nicht – noch zwei weitere hinzu. Microsoft habe seinen Mitarbeiterstab innerhalb von 27 Jahren von 24 auf 75.000 gesteigert. In Prozentzahlen gerechnet sei das ein niedriges Wachstum. Google hingegen habe das "irrsinnige" Ziel, sich innerhalb eines Jahres zu verdoppeln.

Der Konkurrent befinde sich in einer Phase, in der er seine Geschäftsideen ausschlachte und den Markt "melke". "Es ist der spaßige Teil des Geschäfts: Hey, wir haben etwas, das gut läuft, ba-bump, ba-bump. Du brauchst nur Deinen Kunden zu folgen, Geld einsammeln, la-la-la-la-la.", zitiert das Transkript einen offenbar gut gelaunten Microsoft-Chef. Wachstum verlange aber auch, neue Ideen zu entwickeln, wieder eine "kritische Masse" zu erreichen und erneut an den Markt zu treten. Gute Unternehmen hinterleuchten, ob das bisherige Geschäftsmodell langfristig Wachstum gewährleistet und ob neue Geschäftsmodelle entwickelt werden müssten. Erfolgreiche Unternehmen wie General Electric, Procter & Gamble – wo Ballmer nach dem College zwei Jahre gearbeitet hat – und Goldman Sachs folgten dieser Prämisse.

Einem Anwesenden, der wissen wollte, in welchen Bereichen der Unterhaltungselektronik Microsoft noch investiere, erläuterte Ballmer, Aktionäre könnten der Meinung sein, das Unternehmen habe zu früh in IPTV investiert. Vor etwa zehn Jahren habe Microsoft die Firma WebTV "für vielleicht eine halbe Milliarde US-Dollar" übernommen in der Überzeugung, das Geschäftsmodell werde sich schnell entwickeln. Nun investierten Unternehmen wie AT&T, Verizon oder die Deutsche Telekom in die Technik. Da habe Microsoft nun einen Vorsprung. (anw)