Formel-1-Flair auf der CeBIT
Formel-1-Testfahrer Timo Glock stattete dem weltgrößten Prozessorhersteller Intel am heutigen Sonntag in Hannover einen Besuch ab - und wollte wie immer der Schnellste sein.
Einen Mangel an Ehrgeiz kann man Timo Glock nicht nachsagen: "Ich liege derzeit nur 1,5 bis 2 Sekunden hinter der Bestzeit zurück", erklärt der Formel-1-Testfahrer – und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Bis heute Abend bin ich hier der Schnellste." Glock, der am heutigen Sonntag seinen 25. Geburtstag feiert, nimmt außer Konkurrenz an der Intel Racing Tour teil, deren Finale auf der diesjährigen CeBIT ausgetragen wird. In Halle 21 (Stand B45) hat der Chip-Hersteller mehrere Monocoques im Design des BMW Sauber F1 Teams aufbauen lassen, an denen die zehn Sieger der bisherigen Tour-Stopps, aber auch Besucher, ihre Fahrkünste auf virtuellen Rennstrecken unter Beweis stellen können.
Für Glock, der neben seinem Engagement als Testfahrer für den Intel-Kooperationspartner BMW Sauber auch in diesem Jahr wieder die GP2-Serie (früher Formel 3000) fährt, ist das Training am Computer nichts Neues: "Am Anfang meiner Formel-Karriere habe ich vor jedem Rennen am Computer gesessen und bin die Strecken wieder und wieder abgefahren", erklärt der gebürtige Odenwälder im Gespräch mit heise online. "Man kann sich dabei die Streckencharakteristik sehr gut einprägen, aber es fehlt mit der G-Belastung ein sehr wichtiger Parameter". Deshalb würden heute auch nur wenige Rennställe – etwa McLaren, Renault oder auch Williams – ihre Fahrer zusätzlich an Simulatoren ausbilden.
Was Glock an der GP2-Serie besonders mag, ist der gegenüber der Formel 1 deutlich reduzierte Elektronikeinsatz. "Traktionskontrolle ist hier ein Fremdwort." Dabei bringen die 4-Liter-V8-Motoren von Renault bis zu 580 PS auf die Straße und erreichen etwa in Monza Top-Speeds von 320 km/h. "Ich persönlich würde es gerne sehen, wenn wieder der Fahrer mehr im Vordergrund steht und nicht die Elektronik – wenn nach einer Kurve mehr Autos quer stehen, na und, dann muss eben der Fahrer sensibler mit dem Auto umgehen", sagt Glock, der im Jahr 2005 mit dem Titel "Rookie of the Year" in der US-amerikanischen ChampCar-Serie ausgezeichnet wurde.
Für die Formel 1, die heute in Melbourne ihren Saison-Auftakt feierte, geht Glock davon aus, dass künftig das Gesamtpaket eine wichtigere Rolle spielen wird als Einzelkomponenten wie etwa die Elektronik. Als weiteren Standardisierungsschritt nach den Reifen (mit Bridgestone gibt es nur noch einen Lieferanten) und den Motoren (zum 1. März wurden die Motoren "eingefroren" und sollen nach jetzigem Stand bis 2010 nicht mehr bedeutend verändert werden dürfen) will die FIA (Fédération Internationale de l'Automobile) künftig auch die so genannte ECU (Electronic Control Unit) vereinheitlichen. Den Auftrag zur Entwicklung einer standardisierten ECU-Software erhielt Microsoft im vergangenen Jahr.
Die bayerischen Motorenwerke haben für den diesjährigen BMW Sauber F1.07 noch eine eigene zentrale Steuerungseinheit für Motor, Getriebe und Chassis entwickelt. Aber auch der RCC (Race Car Controller) konnte den Ausfall von Robert Kubica in Melbourne nicht verhindern – der Pole schied wegen mechanischer Getriebeprobleme nach 36 Runden aus. Sein Teamkollege Nick Heidfeld konnte sich zum Saisonstart immerhin den vierten Platz sichern – und Glock glaubt, dass das Ergebnis die Leistungsfähigkeit von BMW Sauber über die gesamte Saison widerspiegelt: "Wir können die dritte Kraft hinter Ferrari und McLaren-Mercedes werden."
Für Intel, das seit Ende 2005 als Kooperationspartner von BMW auftritt, käme eine erfolgreiche Saison von BMW Sauber in der Formel 1 sehr gelegen – schließlich hat man als weltgrößter Prozessorhersteller einen ausgeprägten Führungsanspruch und ist mit Computertechnik und Erfahrung an Design, Test und Bau der BMW-Sauber-Rennwagen beteiligt. So wurde unter anderem der neue Supercomputer Albert 2 im BMW-Sauber-Entwicklungszentrum in Hinwil bei Zürich zuletzt mit insgesamt 1024 Xeon-5160-Woodcrest-Prozessoren bestückt, die zusammen auf 12,8 TeraFlop/s Linpack-Leistung kommen und damit Europas leistungsstärksten Industrie-Computer antreiben. Darüber hinaus werden die Server im gesamten BMW-Konzern auf Intel-basierte Produkte umgestellt; Büroequipment und Laptops arbeiten künftig ebenfalls mit Intel-Technik. (pmz)