"Flexleg" statt KrĂĽcken

US-Forscher haben eine Mobilitätshilfe entwickelt, mit der sich Menschen, die sich an den unteren Extremitäten verletzt haben, weitgehend frei bewegen können.

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US-Forscher haben eine Mobilitätshilfe entwickelt, mit der sich Menschen, die sich an den unteren Extremitäten verletzt haben, weitgehend frei bewegen können.

Wissenschaftler an der Brigham Young University (BYU) in Utah haben mit dem Flexleg ein StĂĽtzsystem gebaut, das Menschen mit Verletzungen von FuĂź oder Unterschenkel deutlich mehr Bewegungsfreiheit verspricht.

Das Flexleg soll verletzte Extremitäten so gut schonen wie Krücken.

(Bild: Hersteller)

Die Technik wird mittlerweile von einem gleichnamigen Start-up kommerzialisiert und sieht auf den ersten Blick aus wie eine moderne kombinierte Fuß- und Unterschenkelprothese, wie sie auch Leistungssportler wie Oscar Pistorius tragen. "Ich habe mir die Frage gestellt, warum es möglich ist, dass Menschen ohne Beine mit solchen Prothesen zwar laufen könnten, Menschen die sich nur am Fuß oder Bein verletzt haben, aber Krücken brauchen", erklärt Mike Sanders, der an der BYU im Fachbereich Maschinenbau seinen Masterstudiengang ablegte und die Technik zusammen mit seinem Kollegen Mark Roberts entwickelte. So entstand in Zusammenarbeit mit weiteren Fachwissenschaftlern eine Prototyp-Mobilitätshilfe, bei der der Unterschenkel samt Fuß mit dem Knie angewinkelt auf einer umgeschnallten Ablage platziert wird, die die verletzten Gliedmaßen schont.

Die Funktion von Fuß und Unterschenkel übernimmt ein darunter angebrachtes Gestänge in Verbindung mit einem künstlichen Fuß, der auf einer ähnlichen Technik basiert wie reguläre Fußprothesen. Die aus Aluminium und Verbundwerkstoffen bestehende Konstruktion ist sehr leicht und enthält integrierte Dämpfungselemente. "Wir setzen bestehende Prothesentechnik ein und wenden sie auf einen neuen Markt an", erklären die Forscher, denen es vor allem darum ging, dass Verletzte bei Verwendung des Flexleg die Hände frei haben können. Krücken störten im Alltag doch sehr. "Man kann sein Handy nicht mehr bedienen, kann nicht durch enge Stuhlreihen hindurchlaufen oder einfach nur einkaufen gehen."

Der untere Teil des Flexleg wurde von kĂĽnstlichen GliedmaĂźen inspiriert.

(Bild: Hersteller)

Die Nutzung des Flexleg soll dem normalen Gehen sehr ähnlich sein, sagen Sanders und Team. Ausprobiert wurde die Mobilitätshilfe bereits auf unterschiedlichstem Terrain – vom hügeligen Waldboden über Asphaltwege bis zum Treppensteigen in der Stadt. Die Bewegungsfreiheit soll dabei stets gegeben bleiben. Die Geschwindigkeit, mit der ein Flexleg-Träger unterwegs ist, liegt deutlich über dem, was mit Krücken zu leisten ist. Selbst rennen lässt sich mit dem Prototypen potenziell, wie die Forscher in einem Video eindrucksvoll demonstrieren. "Flexleg soll dabei helfen, das tägliche Leben mit einer Verletzung mehr so zu gestalten, wie es ohne Verletzung verlaufen würde."

Aktuell arbeitet Flexleg an seriennahen Beta-Modellen, die in den nächsten Wochen von ausgewählten Patientengruppen auch im Klinikalltag getestet werden sollen. In den Handel könnte die Mobilitätshilfe dann noch in diesem Sommer gelangen, wenn die Serienfertigung erst einmal beginnt. Laut Angaben des Start-ups arbeitet man dazu mit mehreren "strategischen Partnern" zusammen, um die Technik zunächst in den USA und später weltweit auf den Markt zu bringen. Angaben zu Preisen machte die Firma bislang noch nicht, die Mobilitätshilfe soll aber "preiswert" sein.

Flexleg im Einsatz: Weitgehend uneingeschränkte Mobilität.

(Bild: Hersteller)

Ganz ohne Konkurrenz ist Flexleg allerdings nicht: So arbeiten auch die Hersteller von Krücken an optimierten Designs, die die traditionelle Technik alt aussehen lassen. So erlauben die Mobilegs von Mobi eine bequemere Platzierung der Krücken unter den Armen und reduzieren das Risiko sekundärer Verletzungen etwa von Gelenknerven. Über den Hauptvorteil der Flexlegs verfügen sie allerdings nicht – sie sind nicht freihändig nutzbar. Dafür helfen sie auch bei Verletzungen von Knie und Oberschenkel. Flexleg sollte außerdem nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingesetzt werden, da sich die Technik nicht für jede Art von Verletzung der unteren Extremitäten eignet.

Nachtrag 25.06.2018: Die Firma Flexleg ist mittlerweile erloschen. Die Gehhilfe wird in erneuerter Form als iWalk2.0 vertrieben.

(bsc)