Das Elektroflugzeug fliegt, allerdings mit Benzin

„Elektro-Flugzeug schafft Strecke Moskau – Hamburg“, „Volta Volaré baut serienreifes Flugzeug mit Hybridantrieb” – solche Meldungen erschienen in den letzten Tagen auf zahlreichen Webseiten. Hat eine amerikanische Firma das Fliegen neu erfunden?

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  • Hannah Fuchs

„Elektro-Flugzeug schafft Strecke Moskau – Hamburg“, „Volta Volaré baut serienreifes Flugzeug mit Hybridantrieb” – solche Meldungen erschienen in den letzten Tagen auf zahlreichen Webseiten. Hat eine amerikanische Firma das Fliegen neu erfunden?

Die Eckdaten der Volta Volaré GT4, dem angeblich ersten serienreifen Elektroflugzeug, klingen auf dem Papier großartig: Der sechs Meter lange Flieger mit knapp zehn Metern Spannweite soll vier Personen inklusive Gepäck rein elektrisch 1000 Kilometer weit bringen. Wenn die Akkuladung zu Neige geht, springt ein zusätzlicher Verbrennungsmotor („Range Extender“) ein und verlängert die Reichweite auf insgesamt 1700 Kilometer. Dies entspricht der Strecke von Moskau bis Hamburg.

Diese Zahlen klingen zu gut, um wahr zu sein. Zum Vergleich: Die „Elektra One“ vom Allgäuer Unternehmen PC-Aero kommt laut Hersteller auf 400 elektrische Kilometer – und ist lediglich ein Einsitzer mit einem maximalen Startgewicht von 300 Kilogramm und einer Reisegeschwindigkeit von 160 km/h. Wie will Volta Volaré es also schaffen, seinen 1,8 Tonnen schweren Bomber mehr als doppelt so weit zu bringen?

Details zur Kapazität der verwendeten Akkus liefert die Webseite der Firma nicht. Selbst die nicht ganz uninteressante Frage, wo und wann genau der Super-Elektroflieger denn überhaupt schon in der Luft gewesen ist, bleibt offen. Es existiert zwar eine Flugaufnahme – doch ist sie auch echt? Erst beim dritten Nachhaken per Mail rückt Paul Peterson, Geschäftsführer von Volta Volaré, mit der Antwort heraus: „Die GT4 mit Hybridantrieb wurde bisher nur am Boden getestet. Auf den Flugaufnahmen fliegt sie mit einem Continental Sechszylinder-Benzinmotor.“ Die Variante mit dem elektrischen Antrieb sei noch nicht in der Luft gewesen, so Peterson.

Die Daten zur Reichweite wurden lediglich aus Tests am Boden abgeleitet. Zwei Minuten lang lief das Flugzeug bei voller Leistung von 220 Kilowatt, um den Start zu simulieren. Anschließend ging es 39 Minuten lang in den elektrischen Reiseflug mit 110 kW über, bis die 400 Kilo schweren Lithium-Polymer-Akkus auf 25 Prozent ihrer Gesamtkapazität entladen waren und sich der Range Extender einschaltete. Wenn die Maschine bis dahin tatsächlich mit ihrer nominellen Reisegeschwindigkeit von 320 km/h unterwegs war, entspricht das einer rein elektrischen Reichweite von rund 200 Kilometern. Wie er anhand dieser Daten auf 1000 Kilometer elektrischer Reichweite kommt, das erklärt Peterson nicht.

Stattdessen legt er noch einen drauf: „Sobald wir 500 Wattstunden pro Kilogramm speichern können, gehen wir eine voll-elektrische Version an.“ Zum Vergleich: Aktuelle Lithium-Polymer-Akkus haben eine Energiedichte von rund 140 Wh/kg. Und nirgends taucht am Horizont eine Batterietechnologie auf, die eine solch enorme Energiedichte von 500 Wh/kg aufweist.

Trotzdem nimmt das Unternehmen bereits Reservierungen für die 400.000 Euro teure GT4 an – gegen eine Gebühr von 8000 Euro. Zehn Stück stehen in diesem Jahr zum Verkauf, im nächsten Jahr sollen 36 Exemplare gebaut werden. Einen ungefähren Lieferzeitpunkt nennt das Unternehmen aber nicht.

Mit anderen Worten: Volta Volaré kassiert bereits Geld für ein Flugzeug, das erstens noch nie in der Luft war, und von dem noch völlig unklar ist, wie und wann es die versprochene Leistung tatsächlich erreichen wird. Man kann es auch eine Luftbuchung nennen. ()