Speicher sollen Strom billiger machen
Wissenschaftler der TU Berlin haben simuliert, welche Auswirkungen der Ausbau von Speicherkapazitäten auf den deutschen Strommarkt hätte.
Wissenschaftler der TU Berlin haben simuliert, welche Auswirkungen der Ausbau von Speicherkapazitäten auf den deutschen Strommarkt hätte: Der Spitzenpreis an der deutschen Strombörse, der in Ausnahmefällen jetzt bei 2000 Euro für die Megawattstunde liegt, würde auf 80 bis 90 Euro sinken. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 8/07(seit dem 26.7. am Kiosk oder online zu bestellen).
"Kosteneffiziente Energiespeicher könnten erheblich dazu beitragen, regenerative Energien in den Markt zu bringen. Damit könnte man Stromeinspeisung und Nachfrage glätten und temporäre Unterschiede ausgleichen", sagt auch Michael Knoll vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin. Bislang nutzen die Stromkonzerne für den Ausgleich zum Beispiel Pumpspeicherkraftwerke. Die speichern Energie, indem sie Wasser elektrisch in größere Höhen pumpen, wenn Strom im Überfluss vorhanden ist. Bei großem Strombedarf rauscht das Wasser dann wieder die Röhren hinunter, um in Turbinen Strom zu erzeugen. Derzeit können die deutschen Energieversorger auf rund 40 Pumpspeicher zurückgreifen, die bei Bedarf rund 5500 Megawatt ins Netz einspeisen. Doch die Technologie ist weitgehend ausgereizt – auch weil es an zusätzlichen Standorten mit passendem Höhengefälle mangelt: "Hierzulande lassen sich vielleicht noch 1000 Megawatt an zusätzlichen Pumpspeicherkraftwerken bauen. Das ist das absolute Maximum", schätzt Peter Moser vom Forschungsteam der RWE Power AG, einer Tochter des Energieversorgers RWE.
Für Abhilfe sollen unter anderem Druckluftspeicher-Kraftwerke sorgen, bei denen mit überschüssiger elektrischer Energie Luft komprimiert und dann in riesigen unterirdischen Salzkavernen gespeichert wird. Doch auch Batterien, die derzeit im Stromnetz nur Ausfälle von wenigen Sekunden abfedern, haben noch weiteres Potenzial: Von VRB Power Systems aus dem kanadischen Vancouver kommt die sogenannte Vanadium-Redox-Batterie. Hier ist der Elektrolyt nicht in der Zelle eingeschlossen, sondern wird aus separaten Tanks nach Bedarf zugeführt. Beim Laden wird der vanadiumhaltige Elektrolyt durch die Reaktionszelle der Batterie gepumpt, unter Stromzufuhr in einen Zustand mit höherem Energiegehalt umgewandelt und danach in den Tanks gelagert. Wird der Strom gebraucht, fließt der Elektrolyt durch die Reaktionszelle zurück und gibt seine Energie wieder ab. Bislang kommt die Vanadium-Batterie hauptsächlich als Backup für Mobilfunk-Basisstationen oder Rechenzentren zum Einsatz . "Wenn wir es durch eine Massenfertigung schaffen, den Preis um 30 Prozent zu senken, könnte es sich sogar lohnen, den Unterschied zwischen Tag- und Nachtstrom auszunutzen", sagt VRB-Geschäftsführer Timothy Hennessy. (wst)