Solartaschen und Silberfäden gegen Elektrosmog

„Smart Textiles“, also „intelligente“ Kleidungsstücke, die mit Zusatzfunktionen ausgestattet sind, zeichnen sich als neuer Trend im Bereich digitaler Lifestyle ab. Wie der Trend zukünftig vom Verbraucher aufgenommen wird, ist noch offen.

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Die im SmartTextiles Village auf der CeBIT 2007 gezeigte intelligente Kleidung, die durch Integration von Sensorik, Elektronik und Mikrosystemtechnik allerlei Zusatzfunktionen verspricht, ist überwiegend bei einer eher jüngeren Käuferschicht gefragt. Das Problem dabei: Smart Textiles sind immer noch High-End-Produkte und nicht für jedermann erschwinglich. Was die Zukunftsaussichten von Smart Textiles anbelangt, kann Oliver Stollbrock, Organisator des Smart Textiles Village auf der CeBIT 2007 und Geschäftsführer von Fashion Innovation, noch keine eindeutigen Prognosen abgeben: "Bei vielen Produkten ist die Technologie noch nicht so ausgereift, dass der Nutzen für den Verbraucher deutlich sichtbar wird. Wir stehen zurzeit an einer Stufe, wo dies anfangen könnte", sagt er. Produkte aus dem Sport-, Freizeit- und Gesundheitsbereich würden eindeutig schneller akzeptiert. Ein großes Problem sei derzeit aber immer noch das Preis-Leistungs-Verhältnis. "Wir haben es hier mit einem Trendthema zu tun, zu dem es in Zukunft sicherlich auch eine Gegenbewegung geben wird", sagt Stollbrock.

So wird sich zeigen müssen, ob "tragbare Elektronik" sich auf dem Markt durchsetzen wird. Immerhin sind einige der auf der CeBIT gezeigten Produkte bereits jetzt oder demnächst in den Läden zu finden: Um die Verfügbarmachung von Solarenergie für das tägliche Leben geht es beispielsweise bei der Berliner Firma Sunload. "Wir wollen weg von der reinen Stromerzeugung auf großen Flächen", sagt Thomas Lewin von der Sunload GmbH. Das Unternehmen hat eine Tasche entwickelt, die die Sonnenenergie zur Stromerzeugung nutzt. Die Tasche ist mit einem Solarpanel und einem Stromspeicher ausgestattet. Durch eine "innovative Ladeelektronik" würden mit Hilfe von Sonnenenergie Akkus effizient geladen. Die Akkupacks dienen dann zum Betrieb der angeschlossenen Geräte wie Notebooks, PDAs oder Handys. "Die grundlegende Frage, vor die wir uns gestellt sahen, war, eine Möglichkeit zur mobilen Energieversorgung zu entwickeln. Mit unserer Lösung arbeiten wir dem Problem der Selbstentladung von Akkus entgegen", sagt Lewin. Das Produkt ist ab August auf dem Markt. Kostenpunkt: 479 bis 998 Euro.

Die Auswirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Körper, die beispielsweise von Mobiltelefonen abgestrahlt werden, wird derzeit immer noch kontrovers diskutiert. Dennoch sind viele Verbraucher daran interessiert, sich wirksam gegen elektromagnetische Strahlung zu schützen. Mit dem Produkt e-blocker hat die Firma Zimmermann aus dem Allgäu eine Möglichkeit dazu entwickelt. Es handelt sich um Garne und Gewebe mit einem hohen Silberanteil, die die direkte Strahlung zu 99,999 Prozent abblocken. Das Material wird zwischen Ober- und Unterstoff platziert und nur zur Körperseite hin angewendet. So ist ein problemloses Telefonieren nach wie vor möglich. Die Hamburger Firma Mahoki nutzt dieses Material bereits zur Herstellung von strahlungssicheren Handytaschen. Ab April sind sie auf dem Markt verfügbar und auch einigermaßen erschwinglich (Kosten: zwischen 29,90 und 49,90 Euro).

Für Menschen, die in ihrer Freizeit gerne laufen, walken oder joggen und Wert auf optimale Laufschuhe legen, hat das Tübinger Unternehmen Xybermind schließlich das intelligente Laufanalysesystem Achillex entwickelt. Das Produkt besteht aus einer Weste mit integriertem Mikrocomputer, Sprachausgabe, Grafikdisplay und einer Manschette mit Sensoren, die am Fuß angebracht wird. Durch entsprechende Messungen ist es möglich, den passenden Schuh für jedermann zu ermitteln. Achillex wurde für den Sportfachhandel hergestellt und ist bereits in 120 Sportgeschäften in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg im Einsatz. Für die Zukunft plant die Firma, sich direkt an den Endverbraucher zu wenden und Trainingsgeräte für den einzelnen Läufer zu entwickeln. ( Anette Weingärtner) / (wst)