Bertelsmann steigert Umsatz und Gewinn
Der Medienkonzern verzeichnete 2006 ein Wachstum in nahezu allen Bereichen. Während das Fersehgeschäft blühte, sorgte die Musiksparte für rückläufige Zahlen.
Der Medienkonzern Bertelsmann hat im vergangenen Jahr in nahezu allen Bereichen beim Umsatz zulegen können und das Konzernergebnis durch den Verkauf des Musikverlags mehr als verdoppelt. In Berlin präsentierte das Unternehmen am heutigen Mittwoch die Geschäftszahlen für das Geschäftsjahr 2006. Danach konnte der Konzern den Gesamtumsatz von 17,9 Milliarden Euro 2005 um 7,9 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro steigern. Das operative Ergebnis stieg von 1,61 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,87 Milliarden, die Umsatzrendite liegt bei 9,7 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Der Nettogewinn machte vor allem wegen des Verkaufes des Musikverlags einen deutlichen Sprung von 1,04 Milliarden auf 2,42 Milliarden Euro.
Alle Unternehmensbereiche mit Ausnahme des Musikgeschäfts (Bertelsmann Music Group, BMG) konnten ihr Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Die Musiksparte leidet unter rückgängigen CD-Verkäufen, die auch das anziehende Digitalgeschäft nicht ausgleichen kann. Der Konzern will an der 50-prozentigen Beteiligung an SonyBMG dennoch festhalten. Das Fernsehgeschäft der RTL Group habe dagegen dank guter Werbemarktbedingungen und der Entwicklung des Inhaltegeschäfts einen Ergebnissprung verzeichnen können. Die Direct Group verdoppelte demnach ihr Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr. Die Unternehmensbereiche Gruner + Jahr, Random House und Arvato übertrafen ebenfalls das Ergebnisniveau des Vorjahres. Zum Ende des Geschäftsjahres waren 97.132 Mitarbeiter im Konzern beschäftigt.
Im Sommer 2006 hatte Bertelsmann die 25,1-prozentige Beteiligung der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) an dem Konzern für 4,5 Milliarden Euro zurückgekauft und war so den Börsenplänen der Teilhaber zuvorgekommen. Der Rückkauf wurde unter anderem mit dem Verkauf des Musikverlags BMG Music Publishing für 1,6 Milliarden Euro an Vivendi und der Platzierung neuer Anleihen am Kapitalmarkt finanziert. Die wirtschaftlichen Finanzschulden erhöhten sich im Zuge des Aktienrückkaufs von 3,93 Milliarden auf 6,76 Milliarden Euro, der Konzern sieht sich aber beim Abbau des Schuldenbergs auf einem guten Weg. "Wir haben den Kaufpreis für die Aktien bereits zu einem beträchtlichen Teil abgelöst und sind mit der Schuldenrückführung auf bestem Wege", erklärte der Vorstandsvorsitzende Gunter Thielen.
Der Bertelsmann-Chef freut sich über das "Rekordergebnis" und sieht den Kurs den Konzerns bestätigt. "Die Richtung stimmt. Bertelsmann war nie profitabler als heute." Jetzt will Bertelsmann die Weichen für eine neue Wachstumsphase und die "digitale Zukunft" stellen. Dazu gehören die digitalen Fernsehaktivitäten sowie Video-on-Demand, IPTV und Mobile-TV. Das Verlagshaus Gruner + Jahr dehnte seine Zeitschriftenmarken auf digitale Kanäle aus und entwickelte neue Angebote jenseits des Printbereichs. Das Joint Venture Sony BMG Music Entertainment steigerte seine Angebote im digitalen Bereich und erhöhte den Anteil digital verkaufter Musik am Gesamtumsatz. Das Unternehmen baute seine Präsenz auf Online- und Mobilfunkplattformen aus und widmete sich der Vermarktung von Musikvideoinhalten etwa über Online-Social-Networking-Sites.
Für die weitere Entwicklung ist der Vorstand der Bertelsmann AG zuversichtlich: "Für 2007 und 2008 gehen wir von einem weiteren Umsatz- und Ergebniswachstum aus", erklärte Thielen. An eine eigene Sparte für das digitale Geschäft denkt der Bertelsmann-Boss allerdings vorerst nicht. "Wir sind der Meinung, dass es besser ist, diesen Bereich koordiniert zu entwickeln als zusammenzuführen", sagte er der dpa. Es sei aber durchaus möglich, "eigene Keimzellen" im Konzern aufzubauen. Thielen hatte im Herbst 2006 noch von einer neuen "Preisblase" im Internetgeschäft gesprochen. (vbr)