Auch Vodafone will Strom verkaufen
Nachdem der Mobilfunk- und Festnetzanbieter bereits seinen eigenen Energiebedarf dank Smart Metering zĂĽgelt, will er nun wie die Deutsche Telekom auch Strom aus "virtuellen Kraftwerken" verkaufen.
Vodafone will nach dem Vorstoß seines Konkurrenten Deutsche Telekom ebenfalls mit der Übertragung von Strom- und Energieverbrauchsdaten Geld verdienen. Zukünftig biete Vodafone Unternehmen und Stadtwerken den Aufbau "virtueller Kraftwerke" an, berichtet das Handelsblatt. Mit einem Netz zum Beispiel aus Blockheizkraftwerken oder Solaranlagen sollen Betriebe ihre Energiekosten senken und zum Beispiel Stadtwerke das Angebot und die Nachfrage an Strom besser ausbalancieren können. Ein ähnliches Modell hatte die Deutsche Telekom im April angekündigt.
"Wir gehen jetzt in erste Gespräche mit Stadtwerken und Unternehmen", sagte der für die Geschäftskunden zuständige Vodafone-Manager Jan Geldmacher der Zeitung. Derzeit würden Mitarbeiter für die Energieberatung ausgebildet.
Vodafone nutzt sein Mobilfunknetz bereits für das eigene Energiemanagement und hat 24.000 intelligente Zähler (Smart Meter) in Mobilfunkstationen, Rechenzentren, eigenen Shops und Büros installiert. Diese messen den Strom viertelstündlich, die Daten werden erfasst, ausgewertet und abgerechnet. Das Unternehmen kann seinen Strombedarf so effektiver steuern und bei den Energieversorgern günstigere Tarife aushandeln. Die Stromkosten des Konzerns sanken deshalb nach eigenen Angaben bislang um rund 13 Prozent.
Nun will der Telecom-Anbieter, dessen deutsche Sparte aus der feindlichen Übernahme des Mannesmann-Konzerns hervorgegangen war und sich später den Festnetzanbieter Arcor einverleibte, aus der eigenen Erfahrung mit intelligenter Stromnutzung ein lukratives Geschäft machen. "Für uns selber ist es ein Erfolgsmodell. Mal schauen, wie es sich im Markt durchsetzt", kündigte Geldmacher an. Vor dem Hintergrund fallender Margen im klassischen Telefoniegeschäft biete der Energiemarkt neue und andere Perspektiven.
"Intelligente Energienetze [Smart Grids – Red.] sind für die Energieversorgung der Zukunft unverzichtbar", sagte Geldmacher. Doch bislang sind viele Projekte kaum über ein Pilotstadium hinausgekommen – dabei ist es bis zu dem für 2020 beschlossenen Atomausstieg nicht mehr allzu lange hin. Zwar kooperieren die beiden großen Anbieter Vodafone und die Deutsche Telekom bei intelligenten Stromzählern schon seit längerem mit den großen Energiekonzernen oder örtlichen Stadtwerken, doch der große Wurf ist dabei noch nicht gelungen.
Ironie der Geschichte: Mit der europaweiten Liberalisierung der Telecom-Märkte in den 1990er Jahren entdeckten kleine wie große Energieversorger die Telekommunikation als neues Geschäftsfeld, doch die Marktbereinigung folgte auf dem Fuße. Mit der Düsseldorfer Isis landete etwa ein Telecom-Anbieter mit kommunalen Wurzeln via Arcor unter dem Vodafone-Dach; ein ähnliches Schicksal erlebte der Festnetzanbieter o.tel.o, der aus den TK-Töchtern der Energieversorger Veba und RWE entstanden war, bevor die Marke unter dem Arcor-Dach verschwand und im vergangenen Jahr ein eher tristes Comeback als Discount-Marke im Mobilfunk erlebte. (mit Material der dpa) (ssu)