IETF bekommt das Urheberrecht für RFC Nummer 1
Im April 1969 erschien das erste der Dokumente, die unter dem Namen "Request for Comment" Internet-Techniken sowie -Protokolle beschreiben und standardisieren.
38 Jahre nach dem Erscheinen der ersten Dokumente, die unter dem Namen "Request for Comment" (RFC) Internet-Techniken und -Protokolle beschreiben, hat die Internet Engineering Task Force (IETF) das Urheberrecht für den RFC 1 mit dem Titel "Host Software" bekommen. In einer kleinen Zeremonie versicherten der Autor Steve Crocker und gleichzeitig auch sein Bruder Dave, Autor zahlreicher RFCs, dass sie ihre Urheberrechtsansprüche auf die Standardisierungsorganisation übertragen.
Die Rechteübertragung ist notwendig, weil erst ab dem RFC 2027 die Autoren ihre Rechte automatisch an die Internet Society (ISOC) übertragen haben. Lucy Lynch, scheidende Vorsitzende des IETF Internet Administrative Oversight Committee (IAOC), rief die Autoren der davor veröffentlichten RFCs auf, dem Vorbild der Crocker-Brüder zu folgen.
Dave Crocker sagte, seine Reaktion auf die Anfrage der IETF sei klar gewesen: Immerhin sei es darum gegangen, dass er Ansprüche, von denen er gar nicht wusste, dass er sie habe, auf Leute übertragen wolle, von denen er annahm, dass die sie längst hätten. Steve Crocker meinte, er habe von den informellen Notizen, die er 1969 gemacht habe, eigentlich angenommen, dass die schnell wieder verschwinden würden. Dem war aber nicht so, vielmehr begründete Crockers Host-Software-RFC die Reihe von Dokumenten, in der in der Folge die grundlegenden Standards des Internets veröffentlicht wurden. Noch in diesem Jahr wird die IETF den fünftausendsten RFC verabschieden. 2006 produzierten die Entwickler 459 RFC-Dokumente, "ein phänomenales Ergebnis," sagte der scheidende IETF-Vorsitzende Brian Carpenter.
Hat man sich zu Anfang keinerlei Gedanken über Urheberrechtsfragen gemacht, ist die IETF inzwischen darauf bedacht, die Ansprüche klarzustellen. Damit soll angesichts des härter werdenden Kampfs um Urheberrechte abgesichert werden, dass die Verbreitung oder weitere Arbeiten an den Dokumenten rechtlich nicht durch die Autoren verhindert werden können.
Erst kürzlich hat man die ursprünglich an die ISOC übertragenen Rechte komplett in den eigens geschaffenen und vom IAOC betreuten IETF Trust übertragen. Alle Drafts müssen inzwischen von vornherein den Urheberrechtsvermerk für den IETF Trust tragen. In vielen Arbeitsgruppensitzungen wird vor dem Start auf die Urheberrechtsregelung aufmerksam gemacht; auch für Mailinglisten gibt es einen entsprechenden Hinweis. (Monika Ermert) / (jk)