Kein Weihnachtsfriede in österreichischer Telecom-Branche
Die schnelle deutliche Senkung der Großhandelspreise für die Zustellung von Gesprächen zu Mobiltelefonen (Mobil-Terminierungsentgelte) hat Aufruhr in die österreichische Telekommunikationsbranche gebracht.
Die schnelle deutliche Senkung der Großhandelspreise für die Zustellung von Gesprächen zu Mobiltelefonen (Mobil-Terminierungsentgelte) hat Aufruhr in die österreichische Telekommunikationsbranche gebracht. Bereits Ende 2008 soll eine Minute nur noch 6,79 Cent netto kosten, was eine Reduktion von bis zu zwei Dritteln bedeutet. Während die Mobilfunk-Netzbetreiber entrüstet sind, sieht Achim Kaspar, CEO des Festnetzbetreibers eTel, einen "ersten Schritt in die richtige Richtung". Gegenüber heise online erneuerte er seine Forderung nach einer raschen Angleichung der Mobilfunk- an die Festnetz-Terminisierungsentgelte. Telekom Austria (TA), finanzieller Hauptprofiteur der Preissenkung, schweigt.
"[Die Beschleunigung der Entgeltabsenkung] ist eine völlig überzogene Reaktion der Regulierungsbehörde auf ein relativ unkonkretes Statement aus Brüssel, das auch in sich nicht schlüssig war", sagte T-Mobile-Chef Georg Pölzl gegenüber heise online. Seiner Ansicht nach hat die EU die "nur bei der Mobilkom vorhandenen Übergewinne" kritisiert; den Kostenersatz für alle Netze zu senken sei daher eine "absurde Intervention." Der Effekt für T-Mobile Austria belaufe sich 2006 auf rund 30 Millionen Euro beim Umsatz beziehungsweise etwa 10 Millionen Euro (Nettoeffekt; den niedrigeren Einnahmen stehen auch geringere Ausgabe für Gespräche zu anderen Mobilnetzen gegenüber). Unfair findet Pölzl auch die von der Regulierungsbehörde getroffene Anordnung für den Fall der Übernahme von tele.ring durch T-Mobile: Die Bescheide sehen vor, dass ab dem der Übernahme folgenden Monat auch für Verbindungen zu tele.ring-Kunden nur noch das dann 1,14 Cent niedrigere T-Mobile-Entgelt verrechnet werden darf. "Es glaubt doch niemand, dass wir in einem Monat irgendeine Chance auf Kosten optimierende Schritte haben."
Die TA-Tochter Mobilkom Austria wirft der Regulierungsbehörde vor, die "Geschäftspläne für die kommenden Jahre rückwirkend zerzaust" zu haben. Kritisiert wird auch, dass die Senkung der Großhandelsentgelte die relativen Abstände zwischen Mobilkom Austria und den Konkurrenten zunächst erhöhen würde. An die vorgesehene Angleichung auf 6,79 Cent je Minute zum Jahresende 2008 glaubt Mobilkom-Chef Nemsic nicht. In seiner Aussendung heißt es weiter: "Darüber hinaus wird Hutchison (...) bis auf weiteres erlaubt, bei mobilkom austria als nationales Roaming eingekaufte Netzleistungen mit 300% Preisaufschlag als Terminierungsleistung an rufende Endkunden wiederzuverkaufen."
Eine "völlige Tatsachenverdrehung" sind diese Aussagen in den Augen des angesprochenen Netzbetreibers 3 (Hutchison). Der für 3 vorgeschriebene Terminierungspreis sei das Ergebnis einer Kalkulation, in der die niedrigeren Kosten beim nationalen Roaming bereits berücksichtigt seien. Anderfalls wäre das Entgelt wesentlich höher ausgefallen. Einen unterschiedlichen Preis je nach Aufenthaltsort des gerufenen Kunden zu verrechnen sei intransparent und nicht durchführbar. Außerdem sei das an die Mobilkom zu bezahlende National Roaming Entgelt wesentlich höher als behauptet. Die "illegalen Übergewinne" des Konkurrenten würden nach Behördenangaben von 79 Millionen (2005) auf 52 Millionen Euro (2006) reduziert: "Im Grunde heißt das nichts anderes, als dass sich die Mobilkom allein heuer und im nächsten Jahr auf Kosten der österreichischen Konsumenten um über 130 Millionen ungerechtfertigt bereichert. Der Geschröpfte ist der Konsument und nicht die Mobilkom."
"Wir haben es bei den Marktführern Mobilkom und T-Mobile (inklusive tele.ring) mit zwei Unternehmen zu tun, die gemeinsam 80 Prozent des Marktes kontrollieren. Die neue Regelung zementiert diese Vormachtstellung!", zeigt sich One-CEO Jørgen Bang-Jensen erzürnt. Die geplante Reziprozität, also die völlige Angleichung der Entgelte, sei in Anbetracht der erdrückenden Marktmacht der beiden größten Betreiber nicht mehr haltbar. Wie T-Mobile und 3 kündigt auch One an, alle rechtlichen Schritten bis zum Gang vor die Höchstgerichte auszuschöpfen, um "diese klare Fehlentscheidung" zu bekämpfen. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)