KPN an Schweizer Mobilfunker Sunrise interessiert

Der niederländische Ex-Monopolist verfügt bereits über Mobilfunk-Töchter in Deutschland (E-Plus) und in Belgien (Base). KPN sieht sich selbst nicht als Übernahmekandidat, betonte der Konzernchef gegenüber dem "Handelsblatt".

vorlesen Druckansicht 16 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Sven-Olaf Suhl

Der niederländische Telekommunikationskonzern KPN ist daran interessiert, den zweitgrößten Schweizer Telekommunikationsanbieter Sunrise zu übernehmen. "Das Unternehmen würde unser deutschsprachiges Portfolio gut ergänzen", erläuterte KPN-Chef A. J. Scheepbouwer im Gespräch mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Der holländische Ex-Monopolist ist in seinem Heimatland bis heute Marktführer und bietet Festnetz- und Internetanschlüsse sowie Mobilfunkdienste an. Mit seinen Tochtergesellschaften E-Plus in Deutschland und Base.be in Belgien verfügt der Konzern bereits über weitere Mobilfunklizenzen in Mitteleuropa.

Sunrise gehört derzeit zum dänischen Telekomkonzern TDC, der an Finanzinvestoren verkauft werden soll. Ende November hatte TDC seine Aktionäre gebeten, ein Angebot einer Investorengruppe in Höhe von 10,2 Milliarden Euro anzunehmen. "Falls TDC aufgespaltet wird und man uns Sunrise anbietet, werden wir uns das genau anschauen", kündigte Scheepbouwer gegenüber der Wirtschaftszeitung an. Demnach schätzen die Investment-Banker von Credit Suisse First Boston den Kaufpreis der Schweizer Carriers auf 2,5 Milliarden Euro. Sunrise bietet in der Schweiz über Mobilfunk auch Festnetz- und Internet-Anschlüsse an und hat insgesamt 2,2 Millionen Kunden. Vor kurzem hatten der Kabel-TV-Anbieter Cablecom und Sunrise die Vermarktung eines gemeinsamen Mobilfunkangebots gestartet.

Im Schweizer Mobilfunkmarkt, in dem drei Lizenznehmer aktiv sind, besitzt Sunrise rund 20 Prozent Marktanteile, ebenso wie die France-Telecom-Tochter Orange. Mit rund 60 Prozent besitzt der schweizerische Ex-Monopolist Swisscom weiterhin mit Abstand die meisten "Natel"-Kunden – der unter den Eidgenossen in allen Landessprachen gängige Begriff für Mobiltelefone stand ursprünglich als Abkürzung für "Nationales Autotelefon".

Ungeachtet der Expansionspläne der Niederländer gilt KPN selbst als Übernahmekandidat. Durch die Veräußerung seiner so genannten goldenen Aktie Mitte Dezember hat der niederländische Staat die Möglichkeit verloren, eine Übernahme der KPN zu verhindern. Im Interview mit dem Handelsblatt weist der KPN-Chef Gerüchte über eine mögliche Übernahme seines Kozerns weit von sich: "Wir kaufen auch nicht alles, nur um zu wachsen und uns gegen eine Übernahme zu wappnen." Er plane nur Zukäufe, die den Wert seiner Unternehmensteile in den Niederlanden, Belgien oder Deutschland steigerten oder sich wie Sunrise in der Schweiz im deutschsprachigen Ausland befänden. (ssu)