Kreditkartengroßer Chip erkennt Viren
US-Forscher arbeiten an einem tragbaren Gerät, das unter anderem Grippe-Subtypen identifizieren kann. Als nächstes sollen HIV-Proben überprüft werden.
Die Diagnose einer bestimmten Variante der Influenza ist ein kompliziertes Geschäft: Ärzte und Wissenschaftler benötigen eine High-Tech-Ausrüstung und sitzen daran oft mehrere Tage. Forscher an der Brown University arbeiten derzeit an einem neuen Biochip, der solche und ähnliche Prozesse erleichtern und beschleunigen soll – und vor allem mobil anwendbar, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Angestrebt wird ein System, mit dem Gesundheitsbehören neue Ausbrüche von Krankheiten vor Ort schneller erkennen und ihre Ausbreitung überwachen können. Außerdem wäre es mit dem Verfahren möglich, kostengünstig medikamentenresistente HIV- und Tuberkulose-Subtypen zu identifizieren – etwa in Ländern der Dritten Welt. "Es ist ein Test, der den handelnden Personen sagen kann, ob sie es mit etwas Neuem und Unerwartetem zu tun haben", erläutert Andrew Artenstein, Direktor des "Center for Biodefense and Emerging Pathogens" am Memorial Hospital von Rhode Island, der gleichzeitig Professor an der Brown University ist.
Artenstein und seine Kollegen haben einen Weg gefunden, mit der sich Proben-RNA auf einem Chip verstärken lässt, der die Größe einer Kreditkarte hat. Temperaturveränderungen sind nicht notwendig, das Verfahren ist zudem schnell. Auf dem Biochip werden dazu die Zielabschnitte der RNA mit magnetischen Kügelchen markiert. Magneten ziehen diese markierten Stränge dann durch einen engen Kanal und separieren sie von ungebunden Strängen. Die Technik hört auf den Namen "SMART", was für "simple method for amplifying RNA targets" steht. Das Team hofft nun, Gelder aus der Industrie einzuwerben, um mehr Tests mit seinem Prototyp-Biochip durchzuführen. Angesehen haben sich die Forscher bereits Influenzaviren, darunter die Schweinegrippe. Als nächstes sollen HIV-Proben aus einem Krankenhaus in Kenia überprüft werden.
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(bsc)