Ingram tritt auf die Kostenbremse – Jobs in Dornach in Gefahr

In Sofia errichtet Ingram Micro ein "Shared Service Center". Dazu sollen Arbeitsplätze nach Bulgarien verlegt werden. Auch aus Dornach. Nur wie viele – das ist noch offen.

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Von
  • Wolfgang KĂĽhn

"Derzeit ist es noch zu früh, um Aussagen zu konkreten Zahlen zu treffen." Gerhard Schulz, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Ingram Micro.

(Bild: Ingram Micro)

Das Prinzip zieht sich seit den 80er Jahren durch die Geschichte der Konzerne: Erst kam die Dezentralisierung, dann Outsourcing. Jetzt gibt es "Shared Services". Dahinter steckt der Versuch, Outsourcing zu betreiben, ohne sich von Dritten abhängig zu machen. Das heißt, einfache Arbeiten – also standardisierte Tätigkeiten – nicht durch externe Dienstleister erledigen zu lassen, sondern durch eigene Mitarbeiter. In der Regel also dort, wo für Arbeitsleistungen weniger bezahlt werden muss, als in Ländern mit höherem Lohnniveau.

Shared Service Center betreiben bereits viele Unternehmen, nicht zuletzt auch die IT-Wirtschaft. Jetzt will Ingram Micro auf diesen Zug aufspringen. In der bulgarischen Hauptstadt Sofia wird ein solches Shared Service Center aufgebaut. Das steht außer Frage. Offen ist aber noch, welche Folgen dies auf die vorhandenen Arbeitsplätze hat. Etwa 200 Jobs in der Europaorganisation sollen zur Disposition stehen. Davon, so unbestätigte Aussagen, etwa 100 in der Ingram Micro-Zentrale in Dornach bei München. Wie ernst diese Gerüchte zu nehmen sind, ist derzeit schwer einschätzbar. Selbst potenziell Betroffene halten sich bedeckt, wollen zur Sache nichts sagen. Dass Kostenoptimierung im Vordergrund eines Shared Service Centers steht, wird nicht verneint. Wie nötig Ingram diese Stellschraube hat, um auf der Ertragsseite erfolgreicher sein zu können, auch darüber hält man sich bedeckt.

Auf Nachfrage von heise resale gibt sich Gerhard Schulz vorsichtig. So bestätigt der Senior Vice President und Executive Managing Director die Absicht des Unternehmens, "in Sofia ein Shared Service Center aufzubauen". Weiter erklärt er: "Auch in Deutschland werden derzeit einige Back-End-Prozesse darauf überprüft, wie sinnvoll es ist, einzelne Tätigkeitsfelder zu verlagern." Konkreter aber will er nicht werden: "Derzeit ist es noch zu früh, um Aussagen zu konkreten Zahlen zu treffen." Gleichwohl gehe man davon aus, "dass nur eine sehr geringe Anzahl an Stellen betroffen sein wird". Auf jeden Fall habe die Firmenleitung die Belegschaft über diese Initiative informiert, fügt Schulz hinzu. (map)