Smarter Einkaufen mit IBM

Sie wollen wissen, was in der leckeren Tiefkühl-Pizza eigentlich drin ist? Ob der Schokoriegel auch wirklich keine Haselnüsse enthält und das Müsli wenig Zucker? Kein Problem - dafür gibt es (jetzt) eine App.

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Sie wollen wissen, was in der leckeren Tiefkühl-Pizza eigentlich drin ist? Ob der Schokoriegel auch wirklich keine Haselnüsse enthält und das Müsli wenig Zucker? Kein Problem - dafür gibt es (jetzt) eine App. Einfach mit dem Smartphone auf die Schachtel zielen und auf die Zusatzinformationen warten, die gleich darauf auf dem Display angezeigt werden.

IBM hat die Anwendung im Rahmen seiner „Smarter Commerce“-Initiative entwickelt. Viele Details verrät der Konzern leider nicht, aber die Idee beruht wohl im wesentlichen auf der Verknüpfung zwischen User und Smartphone. Sprich: Der interessierte Kunde muss sich zunächst mal registrieren - Bei diesem Registrierungsvorgang werden ganz zwanglos alle für den Kunden relevanten Daten - Allergien, gesundheitliche Einschränkungen, Vorlieben, Abneigungen und die Telefonnummer - erfasst. Die App auf dem Telefon oder Tablet wertet Kamerabilder aus und extrahiert daraus spezifische Merkmale des Produktes - Größe, Farbe, Form usw. Die schickt sie an einen Server im Laden, der in seiner Datenbank nach dem Profil des registrierten Kunden sucht und die für diesen Kunden relevanten Infos zur App schickt, die sie wiederum auf dem Display mit dem Kamerabild überlagert. Fertig ist die technisch erweitertet Realität. Zielgruppe: Leute, die sonst immer nur online einkaufen und es daher gewohnt sind, alle Produktinfos zu ergoogeln. Klingt doch gut, oder? Das werden ja angeblich immer mehr.

Mal im Ernst, IBM, schon mal was von der Handelskette Metro gehört? Die haben sich hier in Deutschland bereits 2003 den Big Brother Award - einen Negativ-Preis für besonders eifrige „Datenkraken“ - eingefangen, weil sie die Verwendung von Funketiketten (RFID-Tags) in ihrem „Future Store“ testeten. Die kleinen Etiketten haben auf Anfrage eines Lesegerätes eine eindeutige Identifikationsnummer gefunkt. Das sollte die Logistik im Laden erheblich vereinfachen, weil es in Echtzeit einen ständigen Überblick über den kompletten Bestand liefert. Man könnte damit aber auch - theoretisch - scannen und speichern, was jeder so im Einkaufswagen hat, und gezielte, individuelle Angebote machen.Ich sage „könnte“, weil es nicht nur Schelte von Datenschützern gab sondern auch technische Probleme. Heute ist der Konzern nach eigenen Angaben vom „taggen“ einzelner Produkte abgekommen, dafür macht der Klamotten-Konzern Gerry Weber negative Schlagzeilen.

Und jetzt kommt IBM mit der Einkaufs-App um die Ecke, die ein so detailliertes Konsumenten-Profil erstellen kann, dass sogar die Jungs von Google ganz neidisch werden. Gewissermaßen RFID 2.0. Im Ernst, IBM. Das ist Technologie aus der Datenschutz-Hölle. Das macht jede Menge schlechtes Karma. Ich würde die Idee ganz schnell wieder vergessen. (wst)