"Beschattungsaktion" auf der Games Convention gegen "Raubkopierer"
Unter dem Motto "Du willst doch auch nicht, dass man dich kopiert" sollen sich laut Plan der GVU und der Kampagne "Respe©t Copyright" Schauspieler auf die Fersen von Messebesuchern heften und ihre Bewegungen nachahmen.
Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) und die Kampagne "Respe©t Copyright" der Zukunft Kino Marketing GmbH planen in ihren gemeinsamen Bemühungen gegen Urheberrechtsverletzungen eine "Beschattungsaktion" auf der Games Convention Ende nächster Woche in Leipzig. Die seit kurzem angekündigte "Promotionsveranstaltung" der Filmbranche hört auf den Titel "Du willst doch auch nicht, dass man dich kopiert". Jeweils einer von insgesamt vier Schauspielern soll sich dabei unbemerkt an die Fersen von ahnungslosen Messebesuchern heften und jede ihrer Bewegungen nachahmen. Damit wollen die Vertreter der Filmindustrie "auf die Problematik des Raubkopierens hinweisen".
Die Firma Zukunft Kino Marketing will mit der Aktion zugleich ihre umstrittenen bisherigen Initiativen unter dem Aufhänger der Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher" fortsetzen. Neben Spots und Plakaten ließen sich die Aufmerksamkeitshascher der Filmwirtschaft dabei unter anderem bereits das Probesitzen in mobilen Gefängniszellen im Rahmen von "Knast on Tour" sowie eine Rundreise durch die Republik mit Body-Painting-Modellen einfallen.
Das selbstgebaute Kittchen hat die Zukunft Kino Marketing aber im vergangenen Jahr ausgemustert und stützt sich nun vor allem auf ihr zweites Standbein "Respe©t Copyright". Damit werden Bausteine mit Material zum Thema Urheberrechtsverletzungen für den Schulunterricht kostenlos zur Verfügung gestellt. Autor ist der Berater Norbert Taubken, der hierzulande etwa bereits im Namen der umstrittenen "Campaign for Creativity" die Werbetrommel für Softwarepatente rührte.
Die GVU blieb im vergangenen Jahr aufgrund einer chronischen Überlastung der Staatsanwaltschaften durch Anzeigen wegen Urheberrechtsverletzungen im Bagatellbereich unter ihrer Vorgabe bei der Anzahl gestellter Strafanträge im Jahr 2005. Nach jüngsten Recherchen des Münchner Unternehmens P4M, das die GVU bei der Ermittlung von Personen, die geschützte Filmdateien oder Software illegal als erstes in Tauschbörsen einstellen, unterstützt, verlagert die Szene gerade ihre Aktivitäten: "Neue Filehoster laufen den etablierten Tauschbörsen wie BitTorrent oder eDonkey den Rang ab", meint P4M-Geschäftsführer Wolfgang Greipl. Seine Firma biete daher "eine neue Methode an, um die Verbreitung von Raubkopien auf solchen Plattformen zu bekämpfen". In einer dreiwöchigen Testphase sei es gelungen, in Zusammenarbeit mit den Anbietern wie zum Beispiel von RapidShare 80 Prozent der Raubkopien auf deren Servern zu löschen. Man beobachte Portale von Sharehostern inzwischen rund um die Uhr, "um sie gemeinsam mit dem Betreiber bereinigen zu können". (Stefan Krempl) / (jk)