Sauberes Wasser ohne Chlor

Eine Firma aus Chemnitz hat ein Verfahren entwickelt, Swimming-Pools durch Kupfer-Ionen sauber zu halten.

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Eine Firma aus Chemnitz hat ein Verfahren entwickelt, Swimming-Pools durch Kupfer-Ionen sauber zu halten.

Der Geruch von gechlortem Wasser gehört zum Freibad wie der von Gras und Sonnenmilch. Mit den Ausdünstungen einher gehen oft auch gerötete Augen oder Allergien. Das Chemnitzer Unternehmen Uvion GmbH hat ein Verfahren entwickelt, Schwimmbecken auch ohne Chlor sauber zu halten – mit Kupfer-Ionen. Dazu fließt Strom durch eine Opfer-Elektrode aus Kupfer im Wasserzulauf des Pools. Die dabei entstehenden Ionen töten nach Angaben des Herstellers Bakterien und Algen ab. Ergänzend dazu desinfiziert eine starke UV-Lampe das Wasser.

Im Gegensatz zu Chlor, das sofort alle Bakterien vernichtet, ist das Kupfer-Verfahren etwas langsamer: Erst ein bis drei Tage nach Installation der Anlage entfalten die Ionen ihre volle Wirkung. Dafür haben sie laut Uvion keine unerwünschten Nebenwirkungen: „Das Verfahren umgeht die negativen Wirkungen des Chlors – das so gereinigte Wasser erfüllt sogar die Anforderungen gemäß der Trinkwasserverordnung", sagt Roy Buschbeck, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Anorganische Chemie der TU Chemnitz. Eine Konzentration von 0,8 Milligramm Kupfer pro Liter reicht für die Desinfektion aus; im Trinkwasser sind bis zu zwei Milligramm zulässig. Außerdem sei diese Art der Desinfektion umweltfreundlich, geruchs- und geschmacksneutral, so Buschbeck.

Seit 2002 hat Uvion nach eigenen Angaben schon 250 Anlagen verkauft. Da für öffentliche Schwimmbäder eine Reinigung mit Chlor vorgeschrieben ist, konnten die Kupfer-Systeme bisher nur an private Pool-Besitzer verkauft werden. In Holland gebe es aber Bestrebungen, die Chlor-Pflicht in Schwimmbädern zu lockern, sagt Ben Hofmann, bei Uvion für Vertrieb und Einkauf zuständig. Wenn die Niederlande dabei Erfolg haben, könne die Kupfer-Lösung europaweit zugelassen werden, hofft Hofmann. Darüber hinaus experimentieren die Chemnitzer auch mit dem Einsatz ihres Systems in der Fischerei-Wirtschaft.

Bisher musste die Ionen-Konzentration bei den Uvion-Systemen manuell gemessen und die Stromstärke zur Erzeugung der Kupfer-Ionen per Hand eingestellt werden. Gemeinsam mit der TU Chemnitz hat Uvion nun ein System entwickelt, das die Kupferwerte automatisch auf einem konstanten Niveau hält. Ein Photo-Sensor misst dazu laufend den Kupfergehalt im Badewasser.

Im Vergleich zu Chlor-Anlagen sind die Betriebskosten der Uvion-Methode laut Hersteller zudem bis zu 30 Prozent günstiger. Die Firma bietet Geräte für 60 und 130 Kubikmeter an, in denen alle Mess-, Regelungs- und Desinfektionstechnik in einem etwa kühlschrankgroßen Gehäuse untergebracht ist. Die Anlagen kosten 1450 beziehungsweise 5750 Euro. Eine Opfer-Elektrode reicht für etwa zwei Jahre und kostet 90 Euro. (grh)