Illegale Kopie des Simpsons-Films kam aus Australien
Die kurz nach dem Kinostart des Zeichentrickfilms im Netz aufgetauchte Kopie soll in einem australischen Kino aufgezeichnet worden sein - mit einem Handy.
Die nur kurz nach dem weltweiten Start des Simpsons-Films im Netz aufgetauchte Kopie des Zeichentrickspaßes soll aus Australien stammen. Wie die Australische Föderation gegen Urheberrechtsverletzungen (AFACT) gestern mitteilte, hat die australische Bundespolizei in Zusammenarbeit mit der AFACT und dem Filmstudio 20th Century Fox die Herkunft der Kopie bis in einen Vorort Sydneys zurückverfolgen können. Der offenbar in einem Kino aufgezeichnete Film war nur wenige Stunden nach Kinostart in Australien am 26. Juli auf einen amerikanischen Videoserver hochgeladen worden und anschließend in den P2P-Netzen aufgetaucht. In den USA startete der Streifen erst am 27. Juli. Dem erfolgreichen Kinostart in den USA hat das australische Pirate-Release allerdings nicht schaden können.
Nach den Angaben der AFACT – so etwas wie das Down-Under-Pendant der GVU – sei am Freitag die Wohnung eines Verdächtigen durchsucht worden. Der 21-Jährige soll den Film in einem Kino abgefilmt und anschließend im Internet verbreitet haben. Nach Angaben des Filmstudios sei das die erste illegale Kopie des Simpsons-Films gewesen sein, die im Netz aufgetaucht ist. "Dieser Fall zeigt, wie schnell sich gestohlene Filme im Internet verbreiten", sagte AFACT-Direktorin Adrianne Pecoctic. Zwar sei der Film durch schnelles Eingreifen der Rechteinhaber wieder von der US-Website genommen worden, hatte aber bereits Verbreitung in P2P-Netzen gefunden. Innerhalb von 72 Stunden nach dem Upload soll die Kopie mehr als 110.000-mal heruntergeladen worden sein, teilte AFACT mit.
Der Verdächtige soll sich jetzt Anfang Oktober vor Gericht verantworten, australischen Medienberichten zufolge drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Wie die Ermittler auf die Spur des jungen Australiers kamen, teilte die Vereinigung nicht mit. Doch nutzen Filmverleiher verstärkt unsichtbare Wasserzeichen, mit denen sich die Filmkopie, deren Einsatzort und sogar die Vorstellung identifizieren lassen. In diesem Fall könne auch die IP-Adresse des Uploads auf die US-Website den Ermittlern auf die Sprünge geholfen haben.
Auch ein interessantes Detail der Meldung wird leider nicht näher erläutert: Der Verdächtige soll den Mitschnitt mit einem Kamerahandy angefertigt haben. Um welches Modell es sich dabei handelte, ist der AFACT-Mitteilung nicht zu entnehmen. Allerdings dürfte die Wahl des technischen Mittels einigen Einfluss auf die Qualität der Kopie gehabt haben. Laut AFACT ist der unberechtigte Mitschnitt von Filmen im Kino ein wachsendes Problem in Australien; nach Polizeiangaben seien in den letzten sechs Wochen immerhin sieben Fälle aktenkundig geworden, mehr als die Hälfte der Erwischten habe dabei neuere Kamerahandys genutzt. (vbr)