Vorstand der Arbeitsgruppe für den 802.20-Standard abgesetzt
Nachdem das IEEE die Aktivitäten der 802.20-Arbeitsgruppe im Juni gestoppt hatte, hat es nun Richtlinien für deren weitere Arbeit vorgestellt. Dazu gehört der Austausch des Vorstandes und Maßnahmen, die die Transparenz des Gremiums erhöhen sollen.
Das Standards Association Standards Board (SASB) des amerikanischen Instituts der Elektro- und Elektronikingenieure (IEEE) hat jetzt Richtlinien für die weitere Arbeit der Arbeitsgruppe für den mobilen Breitbandstandard 802.20 aufgestellt. Im Juni hatte das SASB die Aktivitäten der Arbeitsgruppe zeitweilig ausgesetzt, nachdem Mitglieder des Gremiums sich über deren Arbeitsweise beim IEEE beschwert hatten. Das SASB hatte daraufhin diese Vorwürfe untersucht.
Die Untersuchung hatte ergeben, dass die Aktivitäten der Arbeitsgruppe wenig transparent und von zahlreichen Streitigkeiten geprägt seien. Außerdem sei augenscheinlich eine "mögliche Dominanz" bestimmter Interessengruppen und anderer Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Dabei handelt es sich vermutlich um das Mobilfunk-Schwergewicht Qualcomm, das Schlüsselpatente für den Standard 802.20 hält.
Um die Transparenz und Unabhängigkeit der Arbeitsgruppe zu wahren, soll nach dem Willen der SASB der Vorstand der Arbeitsgruppe ausgetauscht werden. Davon ist insbesondere Jerry Upton, der Vorsitzender der Arbeitsgruppe, betroffen. Nach eigenen Aussagen ist er Berater der Firma Qualcomm. Andere Firmen, die ebenfalls an der Arbeitsgruppe beteiligt sind, hatten sich bei der IEEE beklagt, dass der Einfluss von Qualcomm auf die Gremien-Entscheidungen zu groß sei.
Um möglichen Fällen von Beeinflussung und Dominanz einer Gruppen vorzubeugen, soll der neue Vorstand eng mit dem IEEE-802-Exekutivkomitee zusammenarbeiten. Die Mitglieder der 802.20-Arbeitsgruppe sollen in Zukunft außerdem offen legen, welche Organisationen oder Einzelpersonen ihre Aktivitäten in der Arbeitsgruppe bezahlen oder auf andere Art finanziell unterstützen.
802.20 soll mobile Breitbandzugänge per Funk ermöglichen und zielt damit in eine ähnliche Richtung wie der IEEE-Standard 802.16e-2005 (Mobile Wimax). Die Vorschläge für 802.20 stammen ursprünglich eher aus dem Mobilfunkbereich. Es unterstützt beispielsweise Roaming, das bei Wimax erst durch Erweiterung des Standards hinzukam. Mobile Wimax sieht gegenüber 802.20 (max. 16 MBit/s im Downstream) aber eine höhere Datenrate vor (max. 46 MBit/s). (rek)