Herber Rückschlag für privates Raumfahrtunternehmen Rocketplane Kistler
Verhandlungen mit Venture-Capital-Gebern über eine Investition von 500 Millionen US-Dollar in die Entwicklung von wiederverwendbaren Raketen sind gescheitert. Der Finanzbranche ist ein Investment offenbar zu riskant. Auch die Deutsche Bank winkte ab.
- Peter-Michael Ziegler
Auf dem Gebiet des privat finanzierten Raumflugs hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Während einige Unternehmen planen, bereits in Kürze Passagiere gegen einen Obolus von mehreren hunderttausend US-Dollar für kurze Zeit in einen Erdorbit zu befördern und dort die Schwerelosigkeit erleben zu lassen, konzentrieren sich andere auf handfestere Dinge. Ähnlich wie beim Güterverkehr auf der Straße wollen Firmen wie Rocketplane Kistler (RpK) oder Space Exploration Technologies (SpaceX) regelmäßig und unter Marktbedingungen Güter ins All transportieren. Damit dies später auch einmal Gewinne abwirft, arbeiten beide Firmen derzeit an der Entwicklung von kostengünstigen Multifunktions-Raketen (Rocketplane an der K-1-Rakete, SpaceX an der Falcon-Rakete), die nach einem All-Transport zur Erde zurücksegeln, dort überarbeitet werden und nach nur wenigen Tagen wieder einsatzbereit sein sollen.
Für die in Oklahoma City ansässige Rocketplane Kistler Inc. gestaltet sich die Finanzierung des ambitionierten Raumtransport-Projekts allerdings außerordentlich schwierig. Zwar wird RpK als Gewinnerin des COTS-Wettbewerbs (Commercial Orbital Transportation Services) der NASA im vergangenen Jahr ebenso von der US-Raumfahrtbehörde gefördert wie der Konkurrent SpaceX, zu den Förderungsbedingungen gehört aber, dass sich das Unternehmen rund eine halbe Milliarde US-Dollar über Investoren aus der Privatwirtschaft beschafft. Doch die haben offenbar jetzt kalte Füße bekommen. Nach Informationen des Wall Street Journal (WSJ) sind die entscheidenden Verhandlungen zwischen RpK und potenziellen Venture-Capital-Gebern – genannt werden unter anderem die Citigroup und die Deutsche Bank – endgültig gescheitert.
Für Rocketplane hat das Scheitern der Verhandlungen weit reichende Konsequenzen. Nicht nur stellte der Hauptauftragnehmer Alliant Techsystems (ATK) wegen der offenen Finanzierungsfragen bereits die Arbeit am K-1-Projekt ein, die NASA hält zudem 175 Millionen US-Dollar zurück, die RpK bei einer Sicherstellung der Finanzierung aus dem COTS-Programm zustehen würden. Dass Rocketplane in nächster Zeit mit neuen Geldgebern aufwarten kann, halten Branchenkenner für unwahrscheinlich. Das Unternehmen hatte schon bei kleineren Finanzierungsrunden die von der NASA gesetzten Fristen nicht einhalten können. Leichter hat es da SpaceX: Hinter dem Unternehmen steht der gebürtige Südafrikaner Elon Musk, Gründer des Online-Bezahldienstes PayPal und seit dem Verkauf an eBay Milliardär. SpaceX forderte die NASA bereits auf, das für RpK vorgesehene Geld in die Entwicklung einer von SpaceX konzipierten Raumkapsel für bemannte Raumflüge zu investieren.
Das COTS-Programm hatte die NASA aufgelegt, um die Versorgung der Internationalen Raumstation (ISS) auch nach der Beendigung des Space-Shuttle-Programms im Jahr 2010 zu gewährleisten. Die neuen Orion-Raumkapseln, die von ebenfalls neu entwickelten Ares-Trägerraketen ins All befördert werden sollen, sind frühestens im Jahr 2014 einsatzbereit. Grundlage der Wirtschaftlichkeitsrechnungen bei SpaceX und Rocketplane sind aber nicht nur Aufträge der NASA, die Unternehmen wollen mit ihren Raketen auch Satelliten ins All befördern oder Transporte für wissenschaftliche Projekte anderer Länder im All übernehmen. Die ersten beiden Testflüge einer Falcon-Rakete verliefen allerdings wenig erfreulich: Der erste Flug endete mit einem Absturz, die zweite Rakete konnte die geplante Umlaufbahn wegen Problemen mit der zweiten Brennstufe nicht erreichen. Ende 2008 muss SpaceX der NASA vorführen, dass die Falcon 9 tatsächlich als Lastentransporter ins All geeignet ist. (pmz)