Ohne teure Energie keine Energiewende

Der CO2-Ausstoß dürfe durch einen verschärften Emissionshandel nicht teurer werden, fordern Industrie und Politiker. Aber wozu sonst ist der Handel denn eigentlich da?

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Der CO2-Ausstoß dürfe durch einen verschärften Emissionshandel nicht teurer werden, fordern Industrie und Politiker. Aber wozu sonst ist der Handel denn eigentlich da?

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass – diese Position zeigen Politiker und Lobbyisten immer unverblümter, wenn es um die Energiewende geht. Bundesumweltminister Peter Altmaier und Wirtschaftskollege Philipp Rösler sorgen sich in seltener Eintracht, aufgrund der Energiewende könne der Strom zu teuer werden. Und kaum kündigt die EU-Kommission an, die Zertifikate für CO2-Emissionsrechte zu verknappen und dadurch die derzeit lächerlich niedrigen Preise zu erhöhen, warnen die Industrie und Rösler: das dürfe aber nicht zu teuer werden.

Ja, was ist denn wohl der Sinn und Zweck eines Emissionshandels? Doch wohl der, dass der CO2-AusstoĂź teurer wird. Nur das erzeugt ĂĽberhaupt einen wirtschaftlichen Anreiz, Energie zu sparen. FĂĽr die derzeit rund sieben Euro pro Tonne legt doch keine Stromversorger eine einzige Schippe Kohle weniger auf.

Und dass der Strom durch CO2-Handel und EEG-Umlage teurer wird, ist kein hässlicher Nebeneffekt der Energiewende, sondern notwendiger und integraler Bestandteil: Solange Strom so preiswert bleibt wie bisher, hat es offenbar kaum ein Unternehmen nötig, etwa alte stromfressende Elektromotorenauszutauschen. Ohne teure Energie kein Energiesparen, und ohne Energiesparen keine Energiewende.

Wer das unsozial findet, weil etwa Hartz-IV-Empfänger über Gebühr belastet werden, der hat durchaus recht: Große gewerbliche Stromverbraucher sind nämlich von der EEG-Umlage befreit, alle anderen Verbraucher einschließlich Rentnern und Hartz-IV-Empfängern müssen deren Anteil also mit übernehmen. Das ist nicht nur unfair, es untergräbt auch die Logik des Systems: Nur dort, wo viel verbraucht wird, lässt sich auch viel sparen. Solange gerade die industriellen Großverbraucher mit preiswertem Strom gepampert werden, kann man sich solchen Aktionismus wie das Glühbirnenverbot schenken. Und das Gerede von zu teurer Energie. (jlu)