Wie viel Lust hat MSH-Chef Horst Norberg noch?

Bei Metro geschieht nichts einfach so. Daher fragte man sich auch, was Metro-Vormann Olaf Koch mit seinem öffentlichen Schulterklopfen für Media-Saturn-Chef Horst Norberg bezweckte. Vielleicht war es ehrlich gemeinte Anerkennung. Vielleicht aber auch eine Spitze gegen seinen Kontrahenten Erich Kellerhals.

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Von
  • Damian Sicking

Lieber MSH-Chef Horst Norberg,

MSH-Chef Horst Norberg

(Bild: MSH)

ich weiß nicht, ob Sie ein Frustesser sind (das sind Menschen, deren Kalorienverbrauch mit zunehmendem Stress und Ärger ansteigt). Falls Sie dazu gehören, würde mich interessieren, wie viele Kilos Sie in den vergangenen Monaten zugelegt haben. Denn über einen Mangel an Frust und Enttäuschung, auch Ärger, Wut oder sogar Verzweiflung, können Sie sich wohl nicht beklagen.

Ganz ehrlich, lieber Herr Norberg, es würde mich nicht wundern, wenn Sie hinschmeißen. Zumal Sie ja ohnehin als Übergangskandidat gehandelt worden waren, als Sie Anfang vergangenen Jahres den Job des MSH-Chefs von Ihrem umstrittenen und glücklosen Vorgänger Roland Weise übernommen hatten. Immerhin waren Sie damals schon 63 Jahre alt und sind seitdem auch nicht jünger geworden. Gut, 63 oder 64 sind kein Alter, man kann immer noch großartige Leistungen bringen – wenn man will und Lust dazu hat. Das fällt in der Regel leicht, wenn der Erfolg da ist. Und wenn nicht? Wenn der Erfolg ausbleibt? Wenn stattdessen nur Frust und Ärger da sind? Dann fragt man sich schon, ob man sich das in diesem Alter noch antun muss. Wer derzeit als CEO von MSH mit Lust und Begeisterung bei der Sache ist, der muss schon ein bisschen masochistisch veranlagt sein. Denn Erfolg und Media Saturn, das sind nicht mehr zwei Seiten einer Medaille.

Ich will an dieser Stelle gar nicht noch mehr Salz in die Wunden streuen. Über die verpatzte Online-Strategie, die Umsatzrückgänge und Quartalsverluste, die Stellenstreichungen, den Krieg zwischen Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals und Konzernmutter Metro, den Skandal um die Bestechungsvorwürfe gegen führende Media-Markt-Manager, über all das ist ja schon viel geschrieben worden.

Das alles ist aus Ihrer Sicht doch reichlich unerfreulich. Da muss der Frust groß sein. Geben Sie es zu: Wie oft haben Sie in den vergangenen Monaten daran gedacht, die Brocken einfach hinzuschmeißen? "Tschüss" zu sagen, "macht doch euren Sch… allein“. Ich hätte Verständnis dafür. Und wenn dann zu allem Überfluss auch noch der MSH-Gründervater Erich Kellerhals mit Liebesentzug reagiert und über Sie mit abschätzigem Unterton sagt, dass Sie ohnehin bald in Rente gehen werden (zur Erinnerung: Kellerhals ist rund zehn Jahre älter als Sie), dann will man doch nur noch weg. Oder?

Wie gut muss es Ihnen da getan haben, dass Metro-Chef Olaf Koch Sie kürzlich bei der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse vor der versammelten internationalen Wirtschaftspresse öffentlich über den grünen Klee gelobt hat. Koch bezeichnete Sie als "Glücksfall für das Unternehmen" und äußerte den Wunsch und die Hoffnung, dass Sie Ihren Ende nächsten Jahres auslaufenden Vertrag als MSH-Chef doch bitteschön verlängern. "Wir stehen zu 100 Prozent hinter der Geschäftsführung", sagte Koch auch noch.

Ist das nicht nett? Wann liest oder hört man so etwas schon mal dort oben an der Spitze der Unternehmen, wo es so einsam sein soll und die Luft so dünn und der Wind so rau. Wo mit harten Bandagen gekämpft wird und sich nur immer jeder selbst der Nächste ist. Geben Sie es zu, lieber Herr Norberg, über das Lob von Koch haben Sie sich gefreut. Ist doch auch ganz natürlich, menschlich sozusagen. Jeder von uns freut sich über Anerkennung, auch Top-Leute wie Sie. Alles andere wäre komisch.

Ich hoffe ja nur, dass Ihr Vorgesetzter Koch sein Lob auch wirklich so meinte und dass dies nicht ein weiteres taktisches Element in der Auseinandersetzung mit Kellerhals ist. In diesem nun schon viel zu lange und das Unternehmen lähmenden Streit zwischen MSH-Mutter Metro und MSH-Mitbegründer Kellerhals hat man den Eindruck, dass bei Entscheidungen und Strategiefestlegungen die eine Partei immer schon aus Prinzip die Gegenposition zur anderen Partei einnimmt. Was der eine gut und richtig findet, ist in den Augen des anderen falsch und dumm. Ich hoffe sehr, dass Koch Sie nicht nur aus dem Grunde über den grünen Klee lobt, weil Kellerhals Sie offenbar nicht mehr als Idealbesetzung betrachtet.

Für Sie, lieber Herr Norberg, ist dies natürlich eine extrem schwierige Situation, Sie sitzen ja sozusagen zwischen den Stühlen. Apropos Stuhl: Der jüngste Richterspruch in der Causa "Metro gegen Kellerhals und umgekehrt" ermöglicht zwar schnellere Entscheidungen auf der operativen Ebene, wenn es aber um strategische Fragen oder eben auch die Besetzung des MSH-Konzernchefs geht – also um Ihren Posten – dann sitzt Kellerhals mit seinem Vetorecht weiterhin mit am Tisch.

Also für Frust, Ärger und auch Enttäuschungen ist weiterhin gesorgt. Schlechte Voraussetzungen für einen Frustesser, der sein Gewicht halten will.

Beste GrĂĽĂźe!

Damian Sicking

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