Midem: Musikindustrie feiert digitale Vermarktungserfolge
Die Zahl legaler Downloads ist sprunghaft angestiegen. Kaufmusik fürs Handy soll zusätzliche Impulse geben.
Passend zum 40-jährigem Bestehen vermeldet die Musikmesse Midem einen Besucher- und Ausstellerrekord. Auf knapp 10.000 Quadratmeter präsentieren sich an der Croisette 4367 Unternehmen. Dabei feiert die Musikindustrie dieses Jahr vor allem das Geschäft mit dem digitalen Musikvertrieb. Die Anzahl verkaufter Einzel-Tracks stieg laut Branchenangaben 2005 in Europa von 14 auf 62 Millionen, im weiter entwickelten USA-Geschäft sogar auf 353 Millionen Downloads. Die Zahl der Nutzer von Abodiensten habe sich mit weltweit 2,8 Millionen fast verdoppelt. Obwohl die Majors, laut EMI-Chef Eric Nicoli, eine "Explosion digitaler Verbreitung erwarten", kann das Online-Geschäft Verluste aus dem klassischen Verkauf noch nicht wett machen.
Ein großes Thema in Cannes ist ein flexibleres Preissystem. "Wir reden seit Jahren auf die Major Labels ein, eine flexible Preisgestaltung zu machen", sagt Tim Quirk, General Manager Music Content bei Real Networks. "Wenn die Labels bereit sind, bei älteren Songs einen Rabatt zu geben, sind 1,50 US-Dollar für den Madonna-Hit ok". Auch auf die Möglichkeiten der P2P-Technik will die Branche, die Tauschbörsen bisher juristisch bekämpfte wo sie konnte, nicht verzichten. Der nächsten Generation "legaler P2P-Angebote" widmete man bei der Midem einen eigenen Bereich, in dem Vertreter des Branchenexpertendiensts MusicAlly Grokster-Nachfolger Meshbox und andere legale P2P-Dienste wie Peer Impact , Weed, Passalong networks' RazorPop und das britische PlayLouder vorstellten.
Gegen die in Frankreich diskutierte Idee, P2P als privates Kopieren unter einer Art Pauschallizenz zu legalisieren, versprach EMI-Chef Nicoli dagegen erbitterten Widerstand. Größere Hoffnungen setzt die Branche auf den Bereich "Mobile Music", dem der gesamte zweite Tag des Diskussionsforums "Midemnet" heute gewidmet ist. Natürlich, so ein Panel-Vertreter, könne auch bei mobiler Musik etwas "gedreht" werden, trotzdem sei hier durch die Beschränkung auf lizenzierte Anbieter die Missbrauchsgefahr wesentlich geringer. Auf den asiatischen Märkten, wo Piraterie aus Sicht der Branche ein noch größeres Problem darstellt, explodieren aktuell mobile Musik- und TV-Angebote. In Indien wurde im vergangenen Jahr sogar der erste speziell für einen Mobilanbieter produzierte Film gesendet. (Monika Ermert) / (sha)