Bericht: Probleme bei SAPs neuer Mittelstandssoftware
Die Mittelstands-Offensive des Software-Konzerns SAP könnte einem Zeitungsbericht zufolge ins Stocken geraten. Bei der Entwicklung des A1S-Vollservice-Produkts soll es Probleme geben.
Der Marktführer bei Unternehmenssoftware SAP will den Mittelstand mehr für seine Produkte begeistern. Dabei setzt SAP-Chef Henning Kagermann auf die in Entwicklung befindliche Vollservice-Lösung A1S, die auf eigenen Servern im SAP-Rechenzentrum läuft. Das soll Aufwand und Investitionskosten für kleinere Betriebe im Rahmen halten, denen SAP immer noch als zu kompliziert und zu teuer gilt. Zum Jahreswechsel soll das Produkt fertig sein und ab dann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, den Anteil der Mittelständler an SAPs Umsatz bis 2010 von jetzt 30 auf 45 Prozent zu steigern. A1S soll bis zu einer Milliarde US-Dollar in die Kassen des Unternehmens spülen.
Doch der Hoffnungsträger, in dessen Entwicklung während der nächsten Jahre dreistellige Millionenbeträge fließen sollen, leidet offenbar noch unter Kinderkrankheiten. Die Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe von Performance-Problemen sowie einer drohenden Verschiebung des Starttermins und beruft sich dabei auf Insider. So laufe die Software derzeit noch deutlich langsamer als die Standardanwendung R/3 und verkrafte noch nicht einmal 10 gleichzeitige Nutzer. Von der Zielvorgabe, 1000 parallele Nutzer zu bedienen, sei das Produkt noch "Lichtjahre entfernt". Hauptproblem sei das Design des Systems, das Servern den Zugriff auf brachliegende Kapazitäten anderer Rechner nicht ermögliche. Dem Insider zufolge werde das zu einer Verzögerung führen, das Produkt sei frühestens in einem Jahr marktreif.
SAP will von Verzögerungen und Problemen indes nichts wissen. "Alles im grünen Bereich", gab eine Unternehmenssprecherin der Zeitung zu Protokoll. A1S werde wie geplant zum Jahreswechsel oder zum ersten Quartal 2008 starten. Dafür plant das Software-Haus unter anderem einen massiven Ausbau seiner Rechner-Kapazitäten. In den nächsten Wochen wolle der Konzern Server im Wert von insgesamt 220 Millionen Euro bestellen, berichtet die Euro am Sonntag. Der Vertrag habe eine Laufzeit von fünf Jahren und umfasse auch Serviceleistungen, schreibt die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Der Walldorfer Konzern kann zusätzliche Aufregung derzeit wenig brauchen. Kagermanns designierter Nachfolger Shai Agassi hat den Vorstand des Unternehmens Anfang des Monats überraschend verlassen, nachdem der SAP-Chef seinen Vertrag bis 2009 verlängert hatte. Im März hatte Konkurrent Oracle den Walldorfern Industriespionage vorgeworfen. (vbr)