Mit Spartensendern und RTL - Digitalfernsehen kommt voran
War das digitale Kabelfernsehen bislang die Domäne von Spartensendern, so sieht sich Kabel Deutschland mit der Integration der drei massenkompatiblen RTL-Kanäle in das digitale Programmpaket vor einem Durchbruch.
Weintrinker sehen ihren eigenen Fernsehsender, Segelfreunde auch, Auto-Fans, Bibelleser und Hobby-Köche sowieso. Im digitalen Kabel-TV gibt es längst Programme für fast jeden Geschmack. Doch erst jetzt kommen auch die großen Privatsender Schritt für Schritt ins Boot.
Die Branche sieht sich vor dem ersehnten Durchbruch zum digitalen Fernsehzeitalter. Doch für die Zuschauer bedeutet dies: Für mehr Fernsehen müssen sie auch mehr bezahlen. Pay-TV-Marktführer Premiere hat mittlerweile 3,3 Millionen Abonnenten, von denen je die Hälfte ihre Programme über Kabel und über Satellit empfangen.
Kabel Deutschland (KDG) mit seinen rund zehn Millionen Kunden meldet, bei den Digital-Sehern die 400.000-Grenze geknackt zu haben. Der Platzhirsch im Kabelgeschäft wurde im Dezember mit der RTL-Gruppe einig. RTL, RTL 2, Vox, Super RTL und n-tv flimmern nun auch digital in die Wohnstuben. KDG strotzt vor Optimismus. "Wir sind sehr guter Dinge, dass wir uns in diesem Jahr in Richtung eine halbe Million Digitalkunden bewegen", sagt Sprecher Matthias Winter.
Zuversichtlich macht Winter auch, dass er bald wohl auch Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 digital anbieten kann. "Wir haben uns grundlegend geeinigt", mit einem Abschluss mit ProSiebenSat.1 sei in den nächsten Wochen zu rechnen. Um auch die Fußballbundesliga ins Programm zu holen, bemühe KDG sich zudem um den Einstieg beim Rechteinhaber Arena, hinter dem die Kabelkonkurrenz von Ish und Iesy steht, die Nordrhein-Westfalen und Hessen bedienen und die schon mit beiden großen Privatsenderfamilien zusammen arbeiten.
"Da ist ein gewisser Durchbruch erzielt", meint auch Hans Hege, der Chef der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Er leitet auch die Gemeinsame Stelle Digitaler Zugang der Landesmedienanstalten. Ihr Ziel: 2010 soll ganz Deutschland digital fernsehen. Laut Digitalisierungsbericht hat ungefähr jeder vierte deutsche Haushalt Zugang zu Digitalfernsehen, rund 8,7 Millionen. Die meisten von ihnen empfangen über Satellit, der auch schon alle analog empfangbaren Programme liefert.
Aber es ist auch eine Frage des Geldes. Beim Satelliten schlägt einmalig ein neuer Receiver zu Buche, wenn digital empfangen werden soll; bei Pay-TV-Angeboten kommen Gebühren dazu. Auch beim Kabel ist eine Set-Top-Box erforderlich, die gegen eine einmalige Gebühr freigeschaltet wird. Für ein erweitertes Digital-Angebot sind weitere Gebühren fällig, etwa bei KDG und Kabel BW inklusive Empfangsgerät elf Euro im Monat, bei Ish und Iesy zwischen 6,90 und 12,90. Dafür bieten die Kabelgesellschaften bis zu 37 zusätzliche Sender, mehr als 50 Radioprogramme und die Möglichkeit, über den Anschluss auch zu telefonieren und im Internet zu surfen - wofür zusätzliche Kosten anfallen.
"Es gibt nicht immer mehr Programme für das gleiche Geld", sagt Hege - auch weil die Fernsehsender längst nicht mehr so viel mit Werbung einnehmen. 2000 lagen die Netto-Einnahmen noch bei 4,7 Milliarden Euro, 2004 waren es nur noch knapp 3,9 Milliarden. Also werde künftig der Zuschauer mehr bezahlen, sagt Hege voraus. Das frei empfangbare Privatfernsehen werde schleichend um die attraktiven Sendungen ausgedünnt. Für diese müsse dann immer öfter bezahlt werden. "Wir können uns vorstellen, neue Abo-Angebote zu machen", heißt es etwa bei KDG. Die Fernsehlandschaft ändere sich grundlegend.
"Es ist aber die Frage, ob der Zuschauer da mitspielt", meint Hege. Mit den öffentlich-rechtlichen Sendern treiben die Landesmedienanstalten deshalb auch DVB-T voran, das terrestrisch empfangbare Digitalfernsehen. Es ist preisgünstiger und kann theoretisch schon von mehr als 17 Millionen Haushalten empfangen werden, was der Hälfte aller Bundesbürger entspricht. Eine Antenne muss für DVB-T nicht mehr aufs Dach. Es reicht eine Set-Top-Box, die es schon von 50 Euro an gibt, gegebenenfalls mit Stummelantenne.
"Bei der Terrestrik haben wir eine besondere Verantwortung", sagt Hege. DVB-T sichere eine günstige Grundversorgung, die überall verfügbar ist. 1,5 Millionen Haushalte haben sich bisher dafür entschieden. Statt mehr als 100 im Kabel empfangen sie jedoch höchstens 30 Programme. Eigene Sender für Segler, Hobby-Köche und Auto-Fans etwa gibt es nicht. (Burkhard Fraune, dpa) / (mhe)