IPTV ist der neue Hoffnungsträger der Telekom
Der Ausbau des Multimedia-Geschäfts ist ein wichtiger Baustein in der Strategie, den Konzern in Deutschland auf die Erfolgsspur zurückzuführen. Telekom-Vorstand Höttges ist sich der Risiken des jungen Geschäftsfelds bewusst: "Das ist eine Wette."
Das Internet-Fernsehen, beziehungsweise genauer IPTV soll es nun richten für die Deutsche Telekom – und das obwohl der Einstieg des Konzerns in das Geschäft alles andere als störungsfrei verlief. "Anlaufschwierigkeiten" räumt Vorstandschef René Obermann ein, schiebt aber gleich eine Durchhalteparole hinterher. Wer Neuland betrete, brauche Mut, "denn bei Fehlern und Problemen ist öffentlicher Hohn schnell zur Stelle".
Damit kennt sich Obermann nach den Querelen um die Verlagerung von 50.000 Telekom-Mitarbeitern und dem Doping-Skandal des Radsport-Teams aus. Mit neuen Bündelpaketen von Telefon, Internet und vor allem TV- Inhalten glaubt Obermann aber nun einen Erfolgsgaranten gefunden zu haben. "Mit unseren Produkten sind wir in Deutschland führend", sagte er vor Eröffnung der IFA in Berlin. Davon muss er nun die Kunden überzeugen – bis zum Jahresende will die Telekom über ihre Netze mindestens 100.000 Haushalte mit Internet- Fernsehen versorgen.
Der Ausbau des Multimedia-Geschäfts ist ein wichtiger Baustein in Obermanns Strategie, den Konzern in Deutschland auf die Erfolgsspur zurückzuführen. Vom harten Wettbewerb geschüttelt, sackt der Gewinn im Festnetzgeschäft kontinuierlich ab. Der Schwund ist vom Regulierer gewollt, um Konkurrenten den Zugang zum Markt zu erleichtern. Mit ihnen ringt die Telekom um jeden Breitbandkunden. Ende vergangenen Jahres gingen knapp 15 Millionen Haushalte mit einem schnellen Internetzugang online – 4,3 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Weitere acht Millionen sollen bis zum Ende der Dekade hinzukommen, sagt Festnetz-Vorstand Timotheus Höttges.
DSL ist nicht zwangsläufig ein profitables Geschäft, da ein erbitterter Preiskampf tobt. "Der Markt wird jetzt verteilt", sagt Höttges. Geschmälert werden die Margen zudem von hohen Werbekosten sowie Subventionen etwa für Modems. Mit neuen Produkten wie Fernsehen über das Telefonkabel will Obermann der Konkurrenz enteilen. Rund drei Milliarden Euro investieren die Bonner daher in den Aufbau eines Glasfasernetzes mit VDSL-Anschlüssen beim Endkunden. Zur IFA ist das TV-Angebot nun auch über ein ADSL2+ nutzbar; die Verfügbarkeit steigt damit von 27 auf 750 Städte.
Über die neue Infrastruktur kann die Telekom ihren Kunden neue Dienste wie interaktives Fernsehen oder eine Film-Bibliothek anbieten. Der Konzern meint es ernst, was sich am Erwerb der Internet-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga zeigt. Noch ist das junge Geschäft aber nur ein Hoffnungsträger, wie Experten meinen. Denn weltweit gibt es laut der Marktforschungsgesellschaft Gartner nur einige wenige Millionen Nutzer. Die Unternehmensberatung Solon sieht IPTV daher auch als eine Investition, die sich erst langfristig rechnen wird. Denn der Medienmarkt ist mit rund fünf Milliarden zehn Mal kleiner als der für Telekommunikationsleistungen: Die Telekom und andere Internet-TV-Anbieter müssen daher neue Dienste und Anwendungen entwickeln, damit sich das Geschäft rechnet. Telekom-Vorstand Höttges ist sich der Risiken des jungen Geschäftsfelds bewusst: "Das ist eine Wette." Allerdings gebe es keine Alternative, um "den Heimatstandort nachhaltig zu sichern". (Martin Murphy, dpa-AFX) / (jk)