Industrie wirbt auf der Hannover Messe um den Nachwuchs

Die weltgrößte Industrieschau bietet neuerdings neben Verhandlungschancen für Wirtschaftsvertreter auch viele Möglichkeiten für Schüler, Auszubildende und Studenten.

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  • Benedikt von Imhoff
  • dpa

Spiel, Spaß und Spannung auf der Hannover Messe: Die weltgrößte Industrieschau bietet neuerdings neben Verhandlungschancen für Wirtschaftsvertreter auch viele Möglichkeiten für Schüler, Auszubildende und Studenten. "TectoYou" heißt die Initiative, mit der Jugendliche für einen Einstieg in die Forschungs- und Technikbranche gewonnen werden sollen. Dringender denn je wird der Nachwuchs gebraucht: "Es fehlen in Europa in den nächsten Jahren rund 700.000 Forscherinnen und Forscher", sagt die Schirmherrin der Aktion, Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). "Hier gezielt Abhilfe zu schaffen, ist das Ziel von "TectoYou"."

Grund für die Misere auf dem Arbeitsmarkt ist der Mangel an Studienanfängern in den Ingenieurwissenschaften – die Zahlen sind rückläufig, zuletzt waren es noch 85 000. Viele Studenten brechen das Studium jedoch vor dem Abschluss ab, Fächer wie Rechts- Sprach- oder Kulturwissenschaften liegen derzeit mehr im Trend.

Aus Sicht des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) beginnt das Problem bereits in der Schule. In der Oberstufe gebe es ein zu geringes Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern, vor allem fehle es an Technikunterricht. VDI-Direktor Willi Fuchs fordert eine Kehrtwende: "Junge Menschen sollten bereits im frühen Kindesalter, später in Schulen bis hin zur Berufswahl technikfreundlich begleitet werden." Hierbei sieht Fuchs Politik und Wirtschaft gemeinsam in der Pflicht.

Die Industrie will nun gegensteuern: Nach Meinung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Messe AG, Sepp D. Heckmann, bietet die Hannover Messe optimale Rahmenbedingungen für "TectoYou": Die Veranstaltung öffne einen Blick in die Zukunft der Branche. "Technologien, Innovationen und Wissensvorsprung werden immer mehr den Erfolg im globalen Wettbewerb bestimmen." Mit rund 6400 Ausstellern aus aller Welt stehen den Jugendlichen in Hannover etliche Ansprechpartner für ihre Fragen zu beruflichen Perspektiven zur Verfügung.

Aber auch ganz praktisch wird der Umgang mit Technologien erprobt. So können Schüler bei "Invent a Chip" einen eigenen Mikrochip entwerfen. Die besten Einfälle werden umgesetzt und in Silizium gefertigt. Im "Gläsernen Labor" der Fraunhofer Gesellschaft können die Besucher live miterleben, wie Forschung funktioniert.

Zur Hannover Messe sind außerdem zwei Online-Portale ins Leben gerufen worden, die sich an technikinteressierte Jugendliche richten. Auf azubidoo.de sollen Jugendliche und Firmen zusammen geführt werden. Nach Angaben einer Sprecherin haben dort derzeit 101 Unternehmen 343 Ausbildungsplätze ausgeschrieben. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) hat ebenfalls eine neue Internet-Kampagne gestartet: Mit superstudium.de sollen Schüler und Studienanfänger für technische Berufe begeistert werden. "Unser Ziel ist es, das angestaubte Image des Ingenieurwesens zu verändern", sagt Nina Wegner vom ZVEI. Dabei will sie vor allem Frauen ansprechen. "Das klingt echt super spannend", erzählt dann auch die 16-jährige Nicole aus Hildesheim, die mit ihrer Schulklasse die Messe besucht. (Benedikt von Imhoff, dpa) / (anw)