Wissen macht tot
Eine Gruppe namens Defense Distributed will das Internet nutzen, um den weltweiten, freien Zugang zu Feuerwaffen zu ermöglichen. Ist das eine gute Idee?
Eine Gruppe namens Defense Distributed will das Internet nutzen, um den weltweiten, freien Zugang zu Feuerwaffen zu ermöglichen. Ist das eine gute Idee?
Auf den ersten Blick ist das schon wieder ein Projekt dieser radikalen Internet-Hippies: Cody Wilson und seine Freunde wollen eine Feuerwaffe entwickeln, die jeder mit einem 3D-Drucker ausdrucken kann. Die Steuerdatei für diese „Wikiweapon“ wollen sie frei im Internet verteilen.
Klingt wie Science-Fiction, ist aber schon - fast - Realität: Die so genannte „additive Fertigung“, schrieb der Kollege Gregor Honsel TR 07/2011“hat sich in den letzten Jahren als Oberbegriff für Herstellungsverfahren wie Stereolithografie oder Lasersintern (siehe Kasten Seite 66) etabliert. Andere geläufige Bezeichnungen sind „3D-Druck“, „generative Fertigungsverfahren“ oder „Schichtbauverfahren“. Ihnen ist gemein, dass Werkstücke in ihrer kompletten räumlichen Gestalt schrittweise aus mikrometerdünnen Schichten aus Kunststoff, Harz, Gipspulver oder Metall aufgebaut werden.“
Da die Preise für 3D-Drucker in den vergangenen Jahren immer weiter gefallen sind und die Dinger immer mehr Materialien verarbeiten können, kann sich im Prinzip jeder bald so eine „persönliche Fabrik“ ins Haus stellen. Neal Gershenfeld, Physiker am MIT, träumt von einer FabLab-Revolution, bei der 3D-Drucker neue 3D-Drucker produzieren können.
Das Wikiweapons-Projekt zeigt, dass es mit solchen Visionen langsam ernst wird. 20.000 Dollar benötigen die Macher nach eigenen Angaben, um ihr Projekt fertigstellen zu können. Das Geld wollten Wilson und seine Freunde - ganz im Stil anderer Internet-Revolutionäre - auf einer Crowdfunding-Plattform einsammeln. Aber Indiegogo hat das Gesuch mittlerweile entfernt. Jetzt sammeln die Waffenfans das Geld auf eigene Faust.
Das Projekt zeigt aber gleichzeitig auch deutlich, dass auch die freie Verbreitung von Wissen und Technologie noch kein Fortschritt an sich ist. Wissenschaft und Technologie sind Instrumente, die dazu verwendet werden können, um den Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen. Die Aufgabe ist groß genug: Eigentlich sind wir technisch längst weit genug, um zu verhindern, dass Menschen verhungern oder an Seuchen krepieren. Waffen dagegen gibt es schon mehr als genug auf der Welt. (wst)