Was war. Was wird.
Nach allerhärtester Recherche schreibt der Journalist seinen Sachverstand auf, damit der Verleger eine Leistung zum Schützen hat. Danach geht's ab auf die IFA und ans Buffet, wo Hal Faber schon wartet.
Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.
Was war.
*** Obacht! Diese Wochenschau ist in harter Arbeit recherchiert und mit Sachverstand geschrieben, mit allerhärtester Arbeit sogar, unter Einbeziehung aller zehn Finger als Faktenchecker. Bei Zahlen über 10 wird es schwierig, sie im Sachverstand zu behalten, dann schreiben Journalisten gerne über "viele". Schließlich sind Recherchieren und Rechnen zwei grundverschiedene Arbeitsgebiete, die Sachverstand erfordern. Das klingt dann so: Heute twittern etwa 500.000 der 100 Millionen Menschen, die Deutsch sprechen, also ein Prozent. Besser noch ist es, wenn der hart arbeitende Journalist von Immer mehr dies und das schreibt. Huch, dieses furchtbare Google aber auch, Snippets ohne Ende mit den Links zu zehnzig Zeitungen mit immer mehr harten Fakten, für die es absolut gar nichts zahlt! Das ist moralisch schwerstverwerflich, das ist ein einziger Raubkopiermordkahlschlag am Fundament unserer Demokratie, das geht gar nicht. Schließlich zahlt Google gutes Geld an Reuters für seine Börsenkurse, da muss doch etwas für die darbenden deutschen Verleger drin sein im Topf, die nur dank Sadomaso überleben.
*** Tja, das Leistungsschutzrecht ist in dritter Fassung auf Wunsch der Verleger vom Kabinett verabschiedet worden, damit es wieder ein bisschen Zoff im Bundestag und Bundesrat gibt. Die Kommentare zum Gesetz reizen zum großen Gelächter, wenn die eine Seite vom schwarzen Tag für das Internet in Deutschland salbadert und die andere mit einem guten Tag für die Freiheit dagegen hält. Der Höhepunkt des unendlichen Spaßes ist freilich erreicht, wenn auf geduldigem Papier der Aufruf erscheint Wir müssen Google Konkurrenz machen!. Ein langer Artikel, in dem das 400-Millionen-Euro-Debakel Quaero mit keiner Silbe erwähnt wird, vom Nachfolgeprojekt Theseus ganz zu schweigen. Dazu hat es in harter Recherche nicht gereicht, stattdessen wird man mit einem öffentlich-rechtlichen Sermon eingeseift.
*** Bleibt das in Schwammerl-Sprache formulierte Begehren der Leistungsschutzsrechtsfreunde, Anbieter zur Kasse zu bitten, "die Inhalte entsprechend aufbereiten". Wer ist gemeint mit dieser Baugenehmigung für ein Mondgründstück? Aggregatoren wie Nachrichten.de von Neofonie, oder der Vorgänger Paperball.de oder der Vorvorgänger Fireball? Das unter Zwonullern so beliebte Rivva? Auch hier kann man Spaß haben und sich mal die Landeseiten von GMX oder T-Online anschauen. Da findet man den eingekauften dpa-Nachrichtenfeed, den viele Verlage auch auf ihre freien Webangebote packen, ist doch dpa ein inhabergegängeltes Unternehmen, dass den deutschen Verlegern gehört. Sollte das geplante Leistungsschutzrecht den Bundestag und den Bundesrat überstehen, ist Wahlkampfzeit.
*** Apropos Bundestag. In den wollen ja die Piraten einziehen, die sich gerade mit einem Bump zur "Fraktionspolitik 2.0" vorbereiten. Stolz hat Cassidian in dieser Woche verkündet, dass der Bau nunmehr mit dem hochmodernen Tetra-Digitalfunk ausgerüstet wurde, damit die Feuerwehr den nächsten Reichstagsbrand schnell unter Kontrolle hat. Als nächster Schritt ist geplant, dass die Bundestagspolizei abhörsicher funken kann. Wann auch die Abgeordneten dran sind, sich per Tetra-Rundruf an ihre Gesprächskreise darüber zu informieren, wann sie zur Abstimmung herbeieilen müssen, ist nicht bekannt. Technisch müsste sich dafür der Haufen unserer Volksvertreter als "Behörde mit Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben" (BOS) zertifizieren lassen, wie etwa DLRG, DRK und THW. Schließlich beschließen sie alle naselang Verbesserungen zu unser aller Sicherheit. Und wenn es in Berlin mal eine "Ausnahmesituation katastrophischen Ausmaßes" gibt, kommt die Bundeswehr mit ihrem Tetrapol-Funk.
*** Martin Goldstein a.k.a. Dr. Sommer ist gestorben. Sein mit Will McBride verfasstes Lexikon der Sexualität mit 400 Antworten war das erste vernünftige Aufklärungbuch noch vor der Sexfront von Günter Amendt. Nun gibt es keinen Rat mehr für Youngster, deren Mütter Geldbörsen kontrollieren und die Privatsphäre ihrer Kinder missachten. Dabei wird einer wie Dr. Sommer in Zukunft mehr und mehr gefragt werden, wenn Kinder ihre Facebook-Accounts auf Smartphones oder Laptops offen lassen und Eltern schnüffeln. Mehrfach hat Dr. Sommer die Frage von beunruhigten Jugendlichen nach den Folgen der Computersucht beantworten müssen, zuletzt mit Hinweisen auf einschlägige Beratungsstellen. Dass diese nun möglicherweise genetisch bedingt sein soll, hätte ihn nicht verzagt. Rosa Überraschungs-Eier für Mädchen sind dem großen Aufklärer und Prediger der Gleichberechtigung erspart geblieben.
Was wird.
Die Cyber-Sicherheit Deutschlands ist ein Thema, bei dem viele Admins Albträume bekommen, sieht man von der schwarzhumorigen deutschen Firma Gamma International ab, deren Finfisher-Software weitere Kreise zieht. Am kommenden Dienstag wollen die führenden Sicherheitsforscher Deutschlands von acht Fraunhofer-Instituten ihr Memorandum zur Cyber-Sicherheit vorlegen, dass laut Vorankündigung dem Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dem Verteidigungsministerium und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) übergeben wird. Schmerzlich vermisst: das Bundesinnenministerium, dessen Vermisstenaktion gerade vier von sechs islamischen Verbänden bei der Sicherheitspartnerschaft vergrault hat. Das ist unser Sohn Hans-Peter.
In diesen Septembertagen ist allen irgendwie nach Militär zumute. Selbst Apples Streitereien mit Samsung sind ein Krieg, in dem mit thermonuklearer Abschreckung gedroht wird. Da passt es schon, dass Apple nach diesem Bericht eine Drohneneinschlag-Kartierungssoftware als verwerfliche Propaganda beurteilt und die entsprechende App nicht genehmigt, während Apps erlaubt sind, mit denen Hobbyflieger ihre Spielzeugdrohnen steuern können. Etwas darüber kommen die bombenden Drohnen, um die auf Zuruf des Militärs eine Debatte entwickelt. Obwohl es inhaltlich nur um den Folgeauftrag für die bisher angemieteten israelischen Heron-Drohnen geht, soll der Hinweis auf eine mögliche Drohnen-Bewaffnung den Kaufwillen anstacheln. Nach Ansicht der Grünen wäre eine ethische Diskussion über die fliegenden Roboter angebracht, wie sie vom britischen Militär (PDF-Datei) angeführt wird. Die Zukunft gehört nicht einzelnen Drohnen-Einsätzen, sondern ganzen Drohnenschwärmen. Wenn die IFA vorbei ist, startet in Berlin neben einem schönen stillen Flughafen am rande der Pleite die ILA mit großem Konferenz- und Drohnenflugprogramm. Vernetzte Drohnen als multisensorielle Aufklärungsplattform sind mit dabei und werden von Spezialisten für die Datenfusion bedient. (vbr)