Vivendi Universal strebt wieder Übernahmen an

Nach erfolgreichem Schuldenabbau erklärt der Chef des französischen Telecom- und Medienkonzerns die "Zeit der Restrukturierung" in Zeitungsinterviews für beendet. Er plant unter anderem, den Anteil an Universal Music auf 100 Prozent aufzustocken

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Von
  • Sven-Olaf Suhl

Der französische Telecom- und Medienkonzern Vivendi Universal geht wieder auf Übernahmekurs. Das erklärte Konzernchef Jean-Bernard Lévy in einem Gespräch mit der französischen Zeitung La Tribune und dem Handelsblatt. Demnach will er sowohl die Telecomsparte als auch das Mediengeschäft stärken. So will Vivendi den Anteil an Frankreichs zweitgrößtem Telecom-Festnetzanbieter, Neuf Cegetel, an dem der Konzern derzeit 28 Prozent hält, aufstocken, um zukünftig die Sperrminorität von 34 Prozent zu erreichen.

Darüber hinaus plant Vivendi, vom japanischen Elektronikkonzern Matsushita die Anteile an einer gemeinsamen Holding zu übernehmen. "Das würde uns erlauben, unseren Anteil an NBC Universal von derzeit 18,5 auf 20 Prozent und an Universal Music Group von 92,3 auf 100 Prozent auszubauen", erläuterte Vivendi-Chef Lévy, der die "Zeit der Restrukturierung" des Mischkonzerns für beendet erklärte.

Noch vor drei Jahren drohte Vivendi das wirtschaftliche Aus, den Konzern drückten seinerzeit Schulden von rund 37 Milliarden Euro. Ende der 1990er Jahre hatte der damalige Vivendi-Chef Jean-Marie Messier begonnen, den früheren Wasserversorger Générale des Eaux durch Milliardenzukäufe in einen Telecom- und Medienkonzern umzubauen. 2000 erfolgte die Fusion von Vivendi, Seagram und der Pay-TV-Gruppe Canal Plus zu Vivendi Universal. Messier hatte sich nach massivem Druck der Anleger und der Öffentlichkeit 2002 die Konzernführung niedergelegt. Später wurde gegen ihn wegen Verdachts der Manipulation des Aktienkurses von Vivendi in ermittelt.

Der jetzige Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy hält dem Interview zufolge an der von Analysten kritisierten Mischstruktur des Konzerns fest: Musik und Mobiltelefonie seien das "frappante Beispiel", wie verschiedene Konzernbereiche gemeinsam vorankommen. So könnten Kunden des französischen Mobilfunkers SFR, an dem Vivendi 56 Prozent hält, die Hits der Universal Music Group auf ihr Handy laden." Dank der Entwicklung von UMTS sei das Portal SFR-Musique in wenigen Monaten zu einem der drei größten Musikportale in Frankreich geworden", stellt Lévy fest, der hofft, in diesem Jahr Platzhirsch iTunes von Apple zu überholen. Mittlerweile hat SFR über eine Million UMTS-Kunden.

Die von Lévy angestrebte Bereinigung des französischen Pay-TV-Markts durch die angestrebte Zusammenführung der bisher konkurrierenden Anbieter Canal Plus (Vivendi) und TPS unter ein Konzerndach stößt auf Zuspruch der Analysten. In Frankreich gebe es 23 Millionen Haushalte, erst acht Millionen hätten ein Pay-TV-Abo, beschreibt Lévy die "beträchtlichen" Wachstumsperspektiven in diesem Segment.

Weiter wachsen will Vivendi auch in Polen. Nach wie vor gibt es einen erbitterten Streit mit der Deutschen Telekom über die Mehrheit am polnischen Mobilnetzbetreiber PTC (Era GSM). Lévy wirft der Deutschen Telekom im Interview vor, Urteile der polnischen Gerichte zu missachten. Verhandlungen will sich der Vivendi-Chef jedoch nicht verschließen. "Wir haben der Telekom unsere Bedingungen genannt", erklärte Lévy, ohne Details zu nennen. (ssu)