IBC: Laser-Projektion einen Schritt näher am Kino

Der Spezialist fĂĽr Projektionstechnik, Christie Digital, fĂĽhrte auf der IBC erstmals einen abendfĂĽllenden Spielfilm mit einem Kino-Laserprojektor vor, allerdings handelte es sich dabei noch um einen Prototyp.

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Projektionsspezialist Christie Digital hat auf der Fachmesse International Broadcasting Convention (IBC) in Amsterdam erstmals einen abendfüllenden Spielfilm mit dem Prototyp eines 3D-Laserprojektors vorgeführt, der den strengen Normen der Digital Cinema Initiatives (DCI) entspricht. Da Laser-Lichtquellen sehr viel heller leuchten können als Xenon-Kolben oder andere Hochdruck-Entladungslampen, verspricht sich die Kinobranche davon vor allem eine Lösung des Helligkeitsproblems bei 3D-Vorführungen. Während 2D-Projektionen nach Angaben von Christie in der Regel eine Helligkeit von knapp 48 cd/m2 (14 ft-L) auf der Leinwand erreichen, kommen bei den üblichen 3D-Projektoren nur rund 10 cd/m2 (3 ft-L) auf der Leinwand an. Dies liegt unter anderem daran, dass die verschiedenen 3D-Verfahren jeweils Linsen für die Aufbereitung der 3D-Bilder benötigen, die sehr viel Licht schlucken und bei den meisten Verfahren die Bilder sehr viel kürzer als bei 2D projiziert werden.

Im Vorfeld der Vorführung von Martin Scorseses „Hugo Cabret“ in Amsterdam erklärte Dr. Don Shaw, Senior Director für Produktmanagement bei Christie, die bisherige schwache Ausleuchtung der 3D-Filme sei mitverantwortlich für Beschwerden von Kinobesuchern über Kopfschmerzen, Müdigkeit oder schmerzende Augen. „Das ist vergleichbar mit den Beschwerden, die man bekommt, wenn man ein Buch bei schwachem Umgebungslicht liest", stellt Shaw fest.

Um dem Problem bisher zu begegnen, kommen mitunter zwei Beamer zum Einsatz; Christie bietet etwa zwei seine 2K- oder 4K-Projektoren der Solaria-Serie in einem Rack-System mit automatischer Kalibrierung als Duo-System an, bei dem die Bilder für das linke Auge von einem, die für das rechte Auge bestimmten, von dem anderen Beamer gezeigt werden. Aber auch diese Lösung erreicht nicht die Helligkeit einer 2D-Projektion und ist wegen der hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten nur wenig verbreitet. Laserlichtquellen sind dagegen gerade wegen ihrer Langlebigkeit und ihres geringen Energieverbrauchs auch wirtschaftlich sehr interessant.

Die erste öffentliche DCI-konforme Laserprojektion von Filmausschnitten hatte vor knapp zwei Jahren von Kodak vorgeführt. Wegen Kreditschwierigkeiten konnte das Unternehmen seine Pläne jedoch nicht weiterführen und lizenzierte die Technik an IMAX. Der Spezialist für großformatige Kinoprojektion hat die Einführung für Ende 2013 angekündigt. Ob Christie bis dahin schon so weit ist, bleibt abzuwarten. Bei dem auf der IBC eingesetzten Projektor handelte es sich um einen Prototyp, bis zur Markteinführung seien "noch ein halbes Dutzend weichenstellender Entscheidungen“ nötig, erklärte Don Shaw. (vza)