OpenRAW: Umfrage zum Format-Wirrwarr bei Digitalkameras
Wer professionell digital fotografiert, wird um die Vorteile der Rohdaten-Aufzeichnung wissen; Die immer neuen, inkompatiblen RAW-Formate der Digitalkameras lassen Fotografen aber um die Nutzbarkeit ihrer Bilder sorgen.
Die immer neuen, inkompatiblen RAW-Formate der Digitalkameras lassen Fotografen um die Nutzbarkeit ihrer Bilder sorgen. "Viele Fotografen sind davon überzeugt, dass RAW-Daten aktueller Kameramodelle zukünftig möglicherweise nicht mehr zugänglich sein werden, wenn die Produktion dieser Modelle eingestellt wird", erklärt Jürgen Specht, Begründer der OpenRAW-Initiative.
Wer professionell digital fotografiert, wird um die Vorteile der Rohdaten-Aufzeichnung wissen: Das so genannte Raw-Format legt die Bilder wie vom CCD kommend verlustfrei auf der Speicherkarte ab, so dass Schärfen, Weißabgleich, Entrauschen und Moiré-Entfernung sehr viel genauer und sorgfältiger am PC erledigt werden können. Mit einer Umfrage nimmt die Initiative daher nun das Verhalten von Digitalkamera-Nutzern unter die Lupe. Gefragt wird nach Erfahrungen, Anforderungen, Vorlieben und Bedürfnissen im Umgang mit dem RAW-Datenformat, dem so genannten "digitalen Negativ". Die Auswertung der Umfrageergebnisse soll ein detailliertes Bild von der Situation im Umgang mit RAW-Formaten vermitteln.
Die Sorge um die Langzeitnutzbarkeit der eigenen Aufnahmen ist nicht unbegründet. Denn einerseits eröffnen die RAW-Formate der anspruchsvolleren Digitalkameras neue technische und qualitative Perspektiven, andererseits überschwemmen die Hersteller den Markt mit einem schon heute schier unüberblickbaren Wildwuchs von proprietären Formaten: Seit dem noch recht jungen Aufkommen der digitalen Negative haben gut 200 verschiedene und fast immer undokumentierte Dateiformate das Licht der Welt erblickt. Zwar versucht Adobe derzeit mit DNG, ein einheitliches RAW-Format zu etablieren – mit Nikon und Canon setzen aber insbesondere die Schwergewichte der Szene weiterhin auf eigene Formate.
Inzwischen zeichnen sich erste, praktische Probleme ab. Konica-Minolta hat den digitalen Kameramarkt verlassen, und für Aufsehen sorgte Nikons Vorgehen, Teile neuerer RAW-Formate zu verschlüsseln. Auch Canon sorgte im vergangenen Jahr für Diskussionen, als zumindest die neuste Version der Software "Digital Photo Professional" Aufnahmen der Canon EOS D30 nicht mehr unterstützte: Die Kamera war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal fünf Jahre auf dem Markt. "Das letzte Jahr hat uns gezeigt, dass Fotografen sich nicht darauf verlassen können, dass ihre Fotos für immer verfügbar sind", erklärte der in Japan lebende Jürgen Specht gegenüber heise online.
Die OpenRAW-Umfrage möchte nach eigener Aussage Fotografen und anderen interessierten Beteiligten die Gelegenheit bieten, Einfluss auf die weitere Entwicklung der RAW-Formattechnik zu nehmen. Das Datum der heute beginnenden Umfrage ist nicht zufällig gewählt: Vor 168 Jahren stellte William Fox Talbot in einer Rede vor der Royal Society of London erstmals das Verfahren der so genannten "photogenen Zeichnung" vor. Erstmals wurde es möglich, mehrere Kopien eines Negativs anzufertigen. (Marc Störing) / (jk)