Multi-Level-Marketing im US-Mobilfunk
T-Mobile USA hat mit "Solavei" einen ungewöhnlichen Untermieter für sein Netz gefunden: Das Unternehmen setzt ausschließlich auf Multi-Level-Marketing.
T-Mobile USA hat mit Solavei einen ungewöhnlichen Untermieter für sein Netz gefunden: Am Freitag hat dieser virtuelle Mobilfunk-Anbieter den Betrieb aufgenommen. Für monatlich 49 US-Dollar (38 Euro) zuzüglich Steuern und Gebühren kann bei dem neuen Anbieter unbegrenzt telefoniert, getextet und am Handy gesurft werden. Dazu kommen Startgebühren von 78 Dollar (60 Euro) netto, gegebenenfalls zuzüglich der Kosten für ein passendes Endgerät. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen vom Fleck weg 25.000 Kunden – und das ganz ohne Werbung. Solavei setzt ausschließlich auf Multi-Level-Marketing.
Bei dieser umstrittenen Vertriebsmethode werden auf eigene Rechnung tätige "Vertriebspartner" angeworben, die wiederum selbst ein Netz an Verkäufern anheuern sollen. In einer Art Schneeballsystem werden sie am Umsatz der geworbenen Kunden/Verkäufer, am Umsatz der von ihnen angeheuerten Personen und so fort beteiligt. Versprochen werden in der Regel leicht verdiente Phantastilliarden.
Solavei hat dieses System verfeinert: Das Geld wird auf einer speziellen Geldkarte gutgeschrieben. Jeweils drei geworbene Kunden werden in einem sogenannten Trio zusammengefasst. Für jedes selbst geworbene Trio und jedes Trio in der zweiten Ebene stehen dem "Vertriebspartner" 20 Dollar (15 Euro) pro Monat zu. Mithin telefoniert gratis, wer neun Kunden wirbt. Zusätzliche Zahlungen gibt es für größere Gruppen von Trios in weiter entfernten Ebenen und die bei Multi-Level-Marketing Systemen übliche Anfix-Prämie fehlt natürlich auch nicht: Für in den ersten 60 Tagen geworbene Zahler winken Einmalboni.
Ein Haken bei Solavei könnte die Bündelung in Trios sein: Sobald ein Teilnehmer des Trios den Mobilfunk-Anbieter wechselt, fällt offenbar das gesamte Trio samt Anhang aus der Rechnung heraus. So genau lässt sich das nicht sagen, da die Vertragsbedingungen nur zahlenden "Vertriebspartnern" zugänglich und Berichten zu Folge in genau diesem Punkt undeutlich sind.
In den Geruch eines Pyramidenspiels will Solavei nicht kommen. Die Firma sei ein "Pionier im Social Commerce Markt" heißt es in einer Aussendung. Jenes Geld, das große Netzbetreiber in Werbung stecken, komme bei Solavei den Menschen zu Gute. In einer Präsentation wird sogar der amerikanische Traum in den Raum gestellt: Ein schuldenfreies Leben.
Manche Amerikaner sind dermaßen begeistert, dass sie das Web 2.0 mit einschlägigen Videos und Webpages beglücken. Aber es gibt auch Stimmen, die warnen, dass bei Solavei nicht alles Gold sei, was glänzt. Glücklicherweise bieten sie auch gleich Abhilfe: Das ist dann entweder ein viel besseres, menschenfreundlicheres Mulit-Level-Marketing-System, das nun aber wirklich reich macht; oder vielleicht ein wohlfeiles Paket an Insider-Tricks, mit denen sich die Klippen auf dem Weg ins gelobte Solavei-Land spielend umschiffen lassen.
Für dieses Paket gibt es vielleicht bald ein notwendiges Update. Denn Solavei behält sich vor, die Verträge ebenso wie die Datenschutzbedingungen jederzeit einseitig zu ändern. (jo)