Kunden als Ideenlieferanten für Autobauer

Mit Methoden, die eigentlich sonst eher dem Web 2.0 zugeschrieben werden, findet ein deutscher Autozulieferer Ideen für neue Produkte.

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Mit Methoden, die eigentlich sonst eher dem Web 2.0 zugeschrieben werden, findet ein deutscher Autozulieferer Ideen für neue Produkte. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (seit dem 30. August am Kiosk oder online zu bestellen). Webasto baut unter anderem Standheizungen, Schiebedächer, Heckklappen und Faltverdecke für Hersteller wie Ferrari, Volvo oder VW. Doch den Endkunden ist der Name Webasto selten ein Begriff – wie also soll Webasto erfahren, was der Endkunde wirklich wünscht?

Mit Hilfe eines gemeinsam mit der TU München entwickelten Fragebogens filtert das Unternehmen so genannte "Lead User" heraus – kleine Gruppen von Kunden, die durch ihre Einfälle ganz neue Märkte eröffnen könnten. Rund 20 Kunden lädt Webasto dann zu einem Workshop-Wochenende ein. Für die Teilnahme gibt es lediglich eine Reisekostenentschädigung. Zudem verpflichten sich die Teilnehmer, auf jegliche Rechte an ihren Ideen zu verzichten und anderen nicht davon zu erzählen.

Was sich wie eine ziemliche Zumutung für die Teilnehmer anhört, funktioniert in der Praxis erstaunlich problemlos: Rund zwei Dutzend Workshops hat Webasto in den vergangenen zwei Jahren veranstaltet. Jeder davon brachte im Schnitt eine Idee, die zu einer patentfähigen Lösung weiterentwickelt wird. Zusammen mit MIT-Forscher Eric von Hippel, der den Begriff des "Lead User" geprägt hat, arbeitet Webasto nun an einer Web-Software, über die eine Community Ideen-Keime weiterspinnen kann. Zentraler Bestandteil dieser Software wird ein Werkzeug sein, mit der Nutzer 3D-Modelle erstellen und verändern können. Ob es selbst entwickelt, gekauft oder der ganze Prozess gleich in eine 3D-Welt wie Second Life verlagert wird, ist noch nicht entschieden. (wst)