Norbert Dorn: "Kindermann war nie weg"
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlässt Norbert Dorn den Konferenztechnikspezialisten Kindermann. Im Gespräch mit heise resale äußert sich der Marketingleiter zur Firmen- und Marktentwicklung, seinem Ausstieg und seinen Plänen.
"Die Präsentations- und Medientechnik-Branche hat sehr gute Zukunftschancen", Norbert Dorn, scheidender Marketingleiter bei Kindermann.
(Bild:Â Kindermann)
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlässt Norbert Dorn den Präsentations- und Konferenztechnikspezialisten Kindermann. Im Gespräch mit heise resale äußert sich der Marketingleiter zur Firmen- und Marktentwicklung, seinem Ausstieg und seinen Plänen.
Herr Dorn, befĂĽrchten Sie Wehmut, wenn Sie in dieser Woche ihren letzten Arbeitstag bei Kindermann beenden?
Norbert Dorn: Sicherlich gehe ich nicht nur mit einem lachenden, sondern auch mit einem weinenden Auge. SchlieĂźlich war auch immer viel Herzblut dabei. Aber mein Ausstieg wird etwas abgemildert dadurch, dass ich zumindest noch ein Jahr beratend dem Unternehmen zu VerfĂĽgung stehe. Ein paar Tage im Monat. Das muss auch reichen.
Mit Ihnen verlässt ein Urgestein die Präsentations- und Konferenztechnik-Branche.
Dorn: Urgestein klingt vielleicht etwas zu gewaltig. Aber ich werde 65 und bin jetzt 41 Jahre bei der Kindermann GmbH. Sicher ist es heute selten geworden, dass jemand so lange einem Unternehmen oder einer Branche treu bleibt. Nun ist es an der Zeit loszulassen und mich jetzt mehr um meine Familie und meinen Garten zu kĂĽmmern.
Inmitten von Weinbergen umgeben, im nahe am Kindermann Standort Ochsenfurt gelegenen Frickenhausen…
Dorn: Genau. Dort wartet nicht nur meine Frau darauf, dass wir mehr Zeit miteinander haben, sondern auch meine ZitrusfrĂĽchte und Rosen. AuĂźerdem will ich wieder mehr Sport treiben, also Tennis spielen und laufen. Dann sind viele Stippvisiten an die verschiedensten reizvollen Ort in Deutschland geplant.
Und natürlich Ihre Leidenschaft fürs Kochen, bevorzugt italienische Küche und fränkischen Wein.
Dorn: Wir haben in der Umgebung herrliche Weine. Vor allem der diesjährige Jahrgang verspricht sehr gute Weine. Und, wie gesagt, ab und an gehe ich noch in die Firma.
Die dann aber ein paar Kilometer weiter als bisher entfernt sein wird.
Der neue Firmensitz der Kindermann GmbH in Eibelstadt bei WĂĽrzburg wird zurzeit bezogen.
(Bild:Â Kindermann)
Dorn: Ja, Kindermann zieht nach 60 Jahren in Ochsenfurt um. Wir hatten im Mai vergangenen Jahres mit dem Bau eines neuen Firmengebäudes in Eibelstadt unweit von Würzburg begonnen. Dort entstand eine moderne Produktionsstätte mit 5.000 Quadratmetern und ein Verwaltungsgebäude mit etwa 2.000 Quadratmetern Fläche. Lager und die Technik sind bereits umgezogen, die Verwaltung wird nach der Orgatec-Messe Ende Oktober in Eibelstadt einziehen. Damit zeigt Kindermann, dass das Unternehmen auch in Zukunft am Standort Deutschland festhalten wird.
Dabei stand Kindermann noch vor einigen Jahren in der Insolvenz.
Dorn: Die Insolvenzphase ab 2003 war schwierig, aber im Nachhinein auch positiv. Der Markt hatte sich von analog zu digital verändert und damit kam immer mehr Preisdruck aus Osteuropa und vor allem aus Fernost. Wir haben uns auf Nischen konzentriert, wo es durchaus sinnvoll ist, in Deutschland zu produzieren. So machte unser Konzept von Entwicklung, Produktion und Distribution wieder Sinn. Mit der Insolvenz – wobei wir auch während dieser Phase schon wieder schwarze Zahlen geschrieben haben – und dem Einstieg von Paulinus Hohmann, konnten wir das Unternehmen neu ordnen. Außerdem waren noch die richtigen Leute an Bord und viele unserer Händler blieben uns treu.
Das heißt, der AV-Spezialist Kindermann ist wieder auf der Höhe der Zeit?
Dorn: Wir waren nie weg. Das ist ganz wichtig. Wir sind Hersteller geblieben und Distributor. Unser Produktangebot umfasst die komplette Präsentations- und Medientechnik. Außerdem sind wir in der Lage, nicht um jeden Preis ein Geschäft machen zu müssen. Stabile Preise, hoher Qualitätsstandard und guter Service, damit festigen wir das Vertrauen bei unseren Kunden. Die Fachhändler können ein lückenloses System anbieten.
Sie haben mal gesagt, dass die Branche für Präsentations- und Konferenztechnik sehr gute Zukunftschancen hat.
Dorn: Daran halte ich fest und behaupte sogar, dass dies eine sehr gute Branche ist. Besonders der Schulungs- und Bildungsbereich bietet immense Möglichkeiten für Komplettanbieter wie Kindermann. Allerdings sollten die Marktteilnehmer in Deutschland mehr zusammen arbeiten. Wir brauchen – und da sind die Verbände wie der Fotoindustrieverband oder auch der Didaktaverband in der Pflicht – mehr Selbstbewusstsein gegenüber dem Mitbewerb aus den USA und Fernost.
Vor einem Jahr: Firmenchef Paulinus Hohmann (li) gratuliert Norbert Dorn zum 40-jährigen Firmenjubiläum.
(Bild:Â Kindermann)
Wer wird Ihre Position nach Ihrem Weggang ĂĽbernehmen?
Dorn: Einige Arbeitsbereiche wurden an Mitarbeitern anderer Abteilung verteilt. Die Position des Werbeleiters ĂĽbernimmt mein bisheriger Stellvertreter Joachim Lang.
WorĂĽber werden Sie an Ihrem letzten Arbeitstag mit Ihren Mitarbeitern sprechen?
Dorn: Sicherlich über die Chancen, die Kindermann hat. Aber auch über meine erste Zeit als Werbeassistent. Oder auch darüber, wie ich zu Beginn meiner Tätigkeit die Halle 1 der CeBIT in Hannover mit Herzklopfen betreten habe, mit der Frage, was wieder weltbewegendes passieren wird. Und auch darüber, dass wir mit einigen anderen Ausstellern bis zuletzt um den Erhalt der Halle 1 gekämpft hatten. (map)