HeiĂź und kalt
Wärmedämmung lohnt sich nicht. Zumindest nicht bei Altbauten, sagt das Bauministerium. Da schau her.
Wärmedämmung lohnt sich nicht. Zumindest nicht bei Altbauten, sagt das Bauministerium. Da schau her.
Sparen lohnt sich nicht. Jedenfalls nicht immer. Doch, das haben jetzt ganz viele, hochbezahlte Experten aus dem Wirtschafts- und dem Bauministerium herausgefunden.
Mussten sie auch, denn die Herren standen unter erheblichem Druck. Einerseits fordert nämlich die EU, dass eine verschärfte Richtlinie zur Energieeinsparung im Gebäudebereich umgesetzt wird, damit die EU ihre Klimaziele nicht verfehlt. Andererseits nimmt die Immobilienlobby das Ministerium unter Feuer, weil Bauen dann teurer wird, die Leute sich also weniger Häuser auf die grüne Wiese stellen.
Nun berichtet unter der schönen Überschrift "Energieeffizienz kostet Bauherren Milliarden" die FAZ über die jetzt vorliegende Novelle des Energieeinsparungsgesetzes. Darin findet sich auch die Passage, dass Eigentümer bestehender Gebäude von der weitgehenden Verschärfung ausgenommen sind. "Im Gebäudebestand wird wegen zu geringer Effekte bei der Primärenergieeinsparung von einer Verschärfung der energetischen Anforderung an die Einzelbauteile abgesehen“, soll es in dem Papier heißen. "Zu geringe Effekte." Bitte, da haben wir’s.
Da war ich dann doch bass erstaunt. Als ich 2007 meinen ersten längeren Artikel zu Energieeffizienz geschrieben habe, lernte ich bei der Recherche, dass rund 75 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland vor in Kraft treten der so genannten Wärmeschutzverordnung von 1977 gebaut worden sind. Und dass in diesen Gebäuden durch geeignete Maßnahmen locker 50 Prozent Energie eingespart werden könnte. Das klang für mich logisch und nachvollziehbar. Ich habe zu dem Zeitpunkt in einer schönen aber zugigen Altbauwohnung gewohnt, mit Einfachverglasung und vielen Außenwänden. Und jeden Monat rund 250 Euro an die Stadtwerke überwiesen.
Fünf Jahre später – ich wohne mittlerweile in einem Altbau, der nach Passivhausstandard saniert ist und zahle nur noch 55 Euro an die Stadtwerke – lese ich nun, dass Experten im Bundesbauministerium zum Schluss kommen, diese ganze Ökonummer mit der energetischen Sanierung würde sich "nicht rechnen". Mehr noch. In Diskussionen mit meinen Kollegen erfuhr ich neulich voller Erstaunen, dass die energetische Sanierung von Häusern ein echt heißes Eisen ist. Dass es gar Experten gibt, die angeblich nachweisen können, dass man in gedämmten Häusern mehr heizen muss, als in ungedämmten. Da schau her. Offensichtlich gibt es doch viele Paralleluniversen. Man muss nur lange genug rechnen. Dann kann man alles beweisen. (wst)