Fata Morgana Marktintegration

Bundesumweltminister Peter Altmaier möchte die Erneuerbaren in den Markt integrieren. Welchen Markt?

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Bundesumweltminister Peter Altmaier möchte die Erneuerbaren in den Markt integrieren. Welchen Markt?

"Marktintegration" ist eines der Schlüsselwörter im "Verfahrensvorschlag zur Neuregelung des Erneubare-Energien-Gesetz" von Bundesumweltminister Peter Altmaier. "Markt" klingt immer gut, und "Integration" sowieso. Aber etwas genauer würde ich schon gerne wissen, was Altmaier denn wo und wie integrieren möchte.

"Nachdem bei der letzten EEG-Novelle für die Photovoltaik ein Auslaufen der Einspeisevergütung bei Erreichen von 52 GW installierter Leistung gesetzlich festgeschrieben wurde, bieten sich ähnliche Festlegungen auch für Wind und Biomasse an. Dies kann – zusammen mit ausreichenden Degressionsregeln – die Herstellung von Markt-und Wettbewerbsfähigkeit erheblich beschleunigen", heißt es im Papier.

Beschleunigen, soso. Diese Logik entzieht sich mir. Wenn etwas nicht mehr gefördert wird, heißt das doch nicht automatisch, dass es keiner Förderung mehr bedarf. Statt das Problem anzugehen, definiert Altmaier es zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach als gelöst. Bis dahin müssen es die Erneuerbaren irgendwie geschafft haben, auf eigenen Beinen zu stehen, sprich: in den Markt integriert zu sein.

Nur: Diese Marktintegration ist eine Fata Morgana, weil es mittelfristig keinen Strommarkt mehr geben wird, in den sich etwas integrieren ließe. Die niedrigen Grenzkosten der Erneuerbaren werden die Preise an der Strombörse gegen Null sinken lassen. Oft genug wurde bereits beklagt, dass dadurch die dringend benötigten Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt werden. Doch der Effekt trifft auch die Erneuerbaren selbst, denn auch diese müssen ja ihre Investitionen wieder einspielen. Über den Verkauf von Kilowattstunden wird das irgendwann nicht mehr gehen.

Früher oder später wird es deshalb wohl zu einem sogenannten Kapazitätsmarkt kommen, bei dem nicht mehr die tatsächlich erzeugte Energie, sondern die bereitgestellte Leistung vergütet wird, ob sie nun abgerufen wird oder nicht. Doch wie genau ein solcher Markt ausgestaltet werden sollte und ob auch Mischformen sinnvoll sind, ist weitgehend unklar. Dass Altmaier dafür noch keine Lösung parat hat, ist ihm nicht vorzuwerfen – andere Energieexperten sind schließlich ebenso ratlos. Dass er aber über diesen Sachverhalt kein einziges Wort verliert und weiterhin von einer Marktintegration schwadroniert, schon.

Man muss nicht gleich die Apokalypse der deutschen Wirtschaft prophezeien, weil der Strommarkt umgebaut werden muss. Es wäre aber schön, zu wissen, dass die verantwortlichen Politiker wenigstens das Problem zur Kenntnis nehmen. (grh)