EU bringt MIT-Konkurrenz auf den Weg
Die EU-Kommission hat heute einen Vorschlag zur Einrichtung eines Europäischen Technologieinstituts (ETI) angenommen. Jetzt müssen noch das Europäische Parlament und der Ministerrat zustimmen.
Die EU-Kommission hat heute einen Vorschlag zur Einrichtung des Europäischen Technologieinstituts (ETI) angenommen. Das Institut soll eine kleine Zentrale und ein Netz aus "Wissens- und Innovationsgemeinschaften" umfassen. Noch müssen das Europäische Parlament und der Ministerrat zustimmen. Danach könnte das aus öffentlichen und privaten Mitteln finanzierte Institut 2008 seine Tätigkeit aufnehmen. Für die ersten fünf Jahre ist ein Budget von bis zu 2,4 Milliarden Euro vorgesehen. Wissenschaftler zeigten sich allerdings wenig begeistert von dem Projekt, sie fürchten, dass genau diese Mittel künftig an anderer Stelle fehlen werden.
Das ETI soll nach dem Willen der EU-Kommission zu einem Aushängeschild für Innovation, Forschung und Hochschulbildung in Europa werden. Das als europäisches Gegenstück zur amerikanischen Eliteschmiede MIT gedachte Institut soll Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft miteinander verbinden, damit "Europa die Herausforderungen einer zunehmend globalisierten, wissensbasierten Weltwirtschaft effektiver angehen könne", wie die Kommission mitteilte. "Wir brauchen einen Raum der Innovation in Europa, in dem Exzellenz gedeihen kann. Das ETI soll Talente anziehen und die besten Akteure im Wissensdreieck zusammenführen", erklärte Kommissionspräsident José Manuel Barroso.
Nach dem Vorschlag der Kommission soll das ETI auf zwei Ebenen aufgebaut sein. Das Institut mit 60 Mitarbeitern soll von einem aus Industrie und Wissenschaft besetzten Verwaltungsrat kontrolliert werden. Um das Institut sind so genannte "Wissens- und Innovationsgemeinschaften" (KIC) angesiedelt. Diese KIC sind Joint Ventures von Universitäten, Forschungsinstituten und Unternehmen, die gemeinsam an Projekten des ETI arbeiten. Nach dem Vorschlag der Kommission soll das ETI bis 2013 etwa sechs dieser Wissens- und Innovationsgemeinschaften einrichten, die langfristige strategische Herausforderungen in Bereichen in Angriff nehmen, die wirtschaftlich und gesellschaftlich für Europa von besonderem Interesse seien.
Sollten das Europäische Parlament und der Ministerrat den Verordnungsvorschlag noch vor Jahresende 2007 verabschieden, könnte das ETI seinen Betrieb 2008 aufnehmen, sodass die ersten beiden Wissens- und Innovationsgemeinschaften 2010 gegründet werden könnten. (vbr)