MSN will mit neuem Chef in den Unterhaltungsbereich expandieren

In den Bilanzen des zweiten Geschäftsquartals konnte Microsofts Online-Dienst nicht gerade glänzen; ein neuer Chef und eine teilweise Neuausrichtung sollen es bei MSN, das für Microsofts Live-Strategie eine wichtige Rolle spielt, nun richten.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

In den Bilanzen des vor kurzem abgeschlossenen zweiten Quartals seines Geschäftsjahrs konnte Microsofts Online-Dienst MSN nicht gerade glänzen: Der Umsatz von MSN ging leicht zurück von 606 auf 593 Millionen US-Dollar, der Gewinn sank von 130 auf 58 Millionen US-Dollar. Dabei soll MSN in der Windows/Office-Live- und Web-2.0-Strategie von Microsoft eine wichtige Rolle spielen. So sieht sich der Konzern denn auch veranlasst, einige Millionen in den Online-Dienst zu investieren und die Sparte einen neuem Chef anzuvertrauen. John Nicol, der vor einigen Jahren die Website MSNBC.com als General Manager übernahm, soll für eine Neuausrichtung von MSN sorgen. Aus der Partnerschaft mit NBC beim Fernseh-Nachrichtenkanal MSNBC hatte sich Microsoft Ende vergangenen Jahres zurückgezogen; die Website MSNBC.com wollen beide Unternehmen aber gemeinsam weiterbetreiben.

Gegenüber dem Wall Street Journal erklärte Nicol, Microsoft wolle mit MSN weit stärker in Unterhaltung expandieren. Microsoft werde buchstäblich Hunderte von Millionen Dollar investieren, um den Unterhaltungsbereich auszubauen. Dazu gehörten etwa neue Bereiche für Reisen und zusätzliche Inhalte für Nutzer, die an Autos, Lifestyle, Sport und Immobilien interessiert seien. Auch der Nachrichtenbereich solle erweitert werden. Die Investitionen sollen in Partnerschaften mit anderen Unternehmen und in interne Entwicklung fließen – sowie "in Aufkäufe, falls wir die benötigen".

Die Versuche, eigene Inhaltsangebote auf die Beine zu stellen, verliefen bei Microsoft insgesamt bislang eher glücklos. Beispielsweise verkaufte man 2004 das Online-Magazin Slate an die Washington Post. Im Zuge der damaligen Verhandlungen hatte Microsoft-Chef Steve Ballmer seine Strategie bekräftigt, sich weitgehend aufs Kerngeschäft, die Software-Entwicklung, zu konzentrieren und andere Geschäftsfelder abzustoßen. Zumindest im Internet scheint Microsoft dies mittlerweile für einen Fehler zu halten: Online-Dienste wie Windows Live und Office Live, denen der von Bill Gates in den Vordergrund geschobene Chief Technology Officer Ray Ozzie eine entscheidende Rolle für das künftige Microsoft-Geschäft zuweist, sollen offensichtlich von multimedialen Unterhaltungsangeboten begleitet werden. Dabei kann sich Microsoft anscheinend auch wieder vorstellen, selbst zum Inhalteanbieter zu werden, und sich Content nicht nur durch Partnerschaften mit anderen Unternehmen zu besorgen.

Microsoft dementierte im Zuge der Ernennung von Nicol Berichte, man denke an ein "Rebranding" von MSN unter einem neuen Markennamen. Zwar wolle man sich bei MSN auf Inhalte konzentrieren, und die Investitionen entwickelten den Dienst in Richtung auf ein Angebot, das man als Media Network bezeichnen könne. Aber der Name von MSN werde nicht geändert, erklärten Microsoft-Sprecher gegenüber US-Medien. Nicol hatte teilweise von einem "MSN Media Network" gesprochen, was zu heftigen Spekulationen über eine komplette Überarbeitung von Markennamen, Aussehen und Vermarktung von MSN geführt hatte. (jk)