Virtuelle Welten nicht immer fĂĽr die Wissenschaft geeignet
Ein Multiplayer-Spiel mit Shakespeare-Hintergrund sollte Forschern zum Testen von Wirtschaftstheorien dienen. Gescheitert ist es an fehlendem SpielspaĂź.
Forscher aus zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen interessieren sich zunehmend fĂĽr Multiplayer-Onlinespiele. Der Grund: Dort, so hoffen sie, lassen sich Themen von der Soziologie bis hin zur Epidemiologie unter fast idealen Bedingungen untersuchen. Allerdings funktioniert das nicht immer, wie das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe berichtet: Ein Spiel, das in den USA mit groĂźem Aufwand entwickelt wurde, ist nun gescheitert.
Die virtuelle Welt namens "Arden: The World of Shakespeare" war ein Projekt der Indiana University und wurde von der MacArthur-Stiftung mit 250.000 Dollar finanziert. Es bildet die Welt zur Zeit des großen englischen Dichters nach. Der Macher hinter dem Projekt, Edward Castronova, außerordentlicher Professor für Telekommunikation an der Universität, wollte die Spielewelt unter anderem nutzen, um Wirtschaftstheorien zu testen – etwa durch die Manipulation von Regeln der Geldpolitik im Spiel. Castronova gilt als Pionier auf dem Gebiet der Forschung in virtuellen Welten.
Doch es gab schnell ein Problem mit dem Spiel: "Es macht keinen Spaß", gibt der Forscher offen zu. Durch die Konzentration auf viele Verweise zu Shakespeare, die den Bildungsanspruch des Games untermauern sollten, vergaß das Team laut Castronova, fundamental wichtige Funktionen einzubauen: "Man braucht Rätsel und Monster, sonst spielen die Leute nicht. Um experimentieren zu können, benötigt man eine Welt mit sehr vielen Spielern. Deshalb brauchten wir einen vollkommen anderen Ansatz." Der Wissenschaftler hat deshalb inzwischen die aktive Entwicklung an Arden gestoppt – er veröffentlichte es in der letzten Version, ohne selbst mit den geplanten Experimenten zu beginnen. "Ich habe mit den Leuten immer so geredet, als sei das hier "Shakespeare: World of Warcraft", aber dafür braucht man einfach viel mehr Geld."
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(bsc)