25 Jahre Hardware von Microsoft ... und ein bisschen mehr
Bei Microsoft wird heute gefeiert. Vor 25 Jahren wurde die Hardware-Abteilung des Konzerns gegründet. Erstes Produkt: die Maus. Tatsächlich hatte die Firma aber schon vor der Gründung der Hardware Group eine erfolgreiche Abteilung, die Hardware verkaufte.
Bei Microsoft wird heute gefeiert. Vor 25 Jahren wurde die Hardware-Abteilung (PDF-Datei) von Microsoft gegründet. Sie hatte eine Maus zu entwickeln, die zunächst mit Microsoft Word funktionieren sollte. Mit der Konstruktion von Mäusen, Tastaturen und anderen Eingabegeräten entwickelte sich die Hardware Group zu einer sehr erfolgreichen Sparte des Konzerns.
Wie viele andere Ideen, so war auch die Idee einer Maus für den IBM-PC nicht in den Köpfen der Microsoft-Programmierer entstanden. Die Maus selbst war eine Erfindung von Douglas Englebart für die Mutter aller Demos. Die Idee einer PC-Maus hatte Steve Kirsch, der Erfinder der optomechanischen Maus. Mit seiner Firma Mouse Systems produzierte er die Mäuse für die Sun-Workstations. Als IBM im August 1982 stolz die Auslieferung des zweihunderttausendsten PC verkündete, entschloss sich Kirsch, eine Maus für diesen Rechner anzubieten, die über die serielle Schnittstelle angeschlossen wurde. Die Maus kostete 299 US-Dollar, verkaufte sich allerdings erst, als mit Paint ein Programm geliefert wurde, das die Maus zum "Leben" erweckte.
Der exorbitant hohe Preis von Mouse Systems und die Versicherung vom Word-Chefprogrammierer Charles Simonyi, mit einer Maus das Schreiben zu revolutionieren, führten zur Gründung der Hardware-Gruppe. Eile war angesagt: Auf der Comdex im November 1982 präsentierte Logitech seine erste Maus, die P4 (PDF-Datei). Die erste Kunde von der 299 Dollar teuren Microsoft-Maus brachte eine Anzeige in der Juni-Ausgabe der Computer-Zeitschrift Byte, ein halbes Jahr, bevor der Apple Macintosh mit seiner Maus erschien. In der Anzeige pries Microsoft den "neuen Standard"; komplettiert war das Ganze mit einer ersten Besprechung der Maus, "die eine völlig neue Software-Generation und eine nie dagewesene Leichtigkeit der Computerbenutzung" lobte. Den leicht visionären Text schrieb Chris Peters, der bei Microsoft den Maustreiber programmierte und später Vizepräsident von Microsoft wurde. Von seinen Maus-Millionen kaufte er später die Professional Bowlers Association: "Die Kugel muss rollen."
Microsofts Feier 25-jähriger Hardware-Produktion bietet freilich eine etwas geschönte Sicht auf die Firmengeschichte. Tatsächlich hatte die Firma schon vor der Gründung der Hardware Group eine erfolgreiche Abteilung, die Hardware verkaufte: Microsoft Consumer Products wurde 1979 gegründet und brachte ein Produkt heraus, das Computerhistoriker als die erste echte Innovation von Microsoft bezeichnen. Als führender Basic-Lieferant wollte Microsoft sein Basic auf allen Rechnern verkaufen können: 1980 erschien darum die Microsoft Softcard für den Apple II, eine Steckkarte, mit der der Apple-Rechner das Betriebssystem CP/M starten konnte. Die Idee zu dieser Lösung, die nur dazu gedacht war, Microsofts Basic weiter zu verbreiten, hatten Neil Konzen und Tim Paterson, die als externe Programmierer bei Microsoft arbeiteten. Paterson, der wenig später die Ur-Version von DOS entwickeln sollte, schlug vor, den Zilog Z-80 "irgendwie" in einen der sehr erfolgreichen Apple II mit seinem 6502 einzubauen, Konzen erledigte den Rest der Kartenentwicklung. Bill Gates setzte dem Ganzen die Krönung auf. Er verhandelte mit Gary Kildall von der Firma Digital Research, Hersteller von CP/M, über eine Lizenz des Betriebssystems. Kildall verlangte 75.000 Dollar auf Raten oder 50.000 Dollar bar. Gates wählte die Barzahlung und düpierte Kildall, der jeden Monat auf die Registrierungskarten wartete, die Microsoft schicken musste: Von der Softcard war nicht nur die Byte begeistert. Microsoft verkaufte über 100.000 Stück der ersten Softwcard-Version, von der Softcard Plus noch einmal ca. 70.000 – und produzierte danach eine RAMcard exklusiv für alle Softcard-Besitzer. Sie erweiterte den Arbeitsspeicher von Apple um satte 16 KByte.
Microsoft unterlieĂź es, die originelle Idee, die sogar die Entwicklung von DOS beeinflusste, patentieren zu lassen. Das Erlebnis mit der Softcard bezeichnete Bill Gates in einem Interview anno 1993 als "schwersten unternehmerischen Fehler meines Lebens". Die Firma machte noch einen Fehler, als sie die Karte als "Z-80 Softcard" im Jahre 1980 vorstellte und prompt von Zilog verklagt wurde, weil der Name nicht passte. Doch aus Fehlern kann man lernen: Als 1982 die Firma ALS mit einer Z-Card fĂĽr den Apple auf den Markt kam, wurde sie prompt von Microsoft verklagt. Beide Firmen fĂĽhrten daraufhin einen der ersten Copyright-Prozesse der entstehenden PC-Branche. Man einigte sich schlieĂźlich auĂźergerichtlich, die Details sind bis heute geheim. ALS produzierte fortan die Karten im Auftrag von Microsoft, das nur noch einen hĂĽbschen Karton fĂĽr die Hardware entwickelte. (Detlef Borchers) / (jk)