Singapur baut neuartige Wasserversorgung
Der Stadtstaat war bislang von Importen des Rohstoffs abhängig. Ein Forschungsschwerpunkt soll das ändern.
Auf einer Fläche, die kleiner als das Stadtgebiet von Berlin ist, leben in Singapur rund 4,8 Millionen Menschen. Der Hafen und der Flughafen sind wichtige Drehscheiben für den Handel in Südostasien. Eine sichere Versorgung mit sauberem Süßwasser ist für das aufstrebende Land überlebenswichtig. Bis in die 90er Jahre hinein importierte der rohstoffarme Staat sein Wasser komplett aus anderen Ländern. Noch heute kommt ein Großteil über Pipelines aus dem Nachbarland Malaysia.
Aus diesem Grund hat der Stadtstaat nun ein ambitioniertes Wasseraufbereitungsprogramm gestartet, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe in einem aktuellen Report: Wenn die bilateralen Verträge im Jahr 2061 auslaufen, will Singapur seine Abhängigkeit vom Nachbarn erheblich verringert haben. Der Ansatz nennt sich "4-Tap-Strategie" – Tap heißt auf Englisch Wasserhahn. Tap 1 steht dabei für die herkömmlichen Importe. Darüber hinaus investiert Singapur massiv in das Sammeln von Regenwasser (Tap 2), die Wiederaufbereitung von gebrauchtem Wasser (Tap 3) sowie die Meerwasserentsalzung (Tap 4).
Mit neuen Technologien soll beispielsweise die Wasserqualität bei der Aufbereitung weiter steigen. So startete das Unternehmen Xylem Water Solutions eine Pilotanlage, die Abwasser mittels Oxidation reinigt. Neu an dem Verfahren ist der kombinierte Einsatz von UV-Licht, Ozon und Peroxiden. In der Regel findet das wiedergewonnene Wasser für industrielle Zwecke in der Halbleiterproduktion, der Energieerzeugung oder bei der Gebäudekühlung Verwendung.
Um die Energieeffizienz bei der Meerwasserentsalzung zu steigern, arbeitet Siemens unterdessen an einem neuartigen Verfahren für Singapur. Herkömmliche Anlagen basieren auf der sogenannten Umkehrosmose, bei der das Meerwasser mit Hochdruckpumpen und erheblichem Energieaufwand durch halbdurchlässige Membrane gepresst wird. Im Gegensatz dazu entwickeln die Siemens-Ingenieure eine elektrochemische Meerwasserentsalzung auf der Grundlage von Elektrodialyse und kontinuierlicher Elektrodeionisation.
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(bsc)