Rechtemanagement fĂĽr 3D-Drucker
Ein US-Patent will verhindern, dass urheberechtlich geschützte Gegenstände ausgedruckt werden können.
Ein US-Patent will verhindern, dass urheberechtlich geschützte Gegenstände ausgedruckt werden können.
Bisher war die Idee lediglich eine mehr oder weniger wahrscheinliche Vision, jetzt ist sie tatsächlich patentiert worden: Rechtemanagement (DRM) für physische Gegenstände. Schon lange rechnen Experten damit, dass diese – nach Software, Musik, Filmen und Büchern – zum nächsten Schlachtfeld von Copyright-Kämpfen werden, wenn sie erst einmal durch 3D-Scanner und -Drucker preiswert und in großen Mengen reproduziert werden können. Der „Invention Science Fund“ des Patent-Dealers Nathan Myhrvold bekam nun das US-Patent 8286236 für ein Verfahren erteilt, das genau dies unterbindet: Ein Kontrollmechanismus soll erkennen, wenn Konstruktionsdaten eines urheberrechtlich geschützten Gegenstands an einen 3D-Drucker oder eine andere Produktionsmaschine geschickt werden, und den Ausdruck dann blockieren – es sei denn, es liegt ein entsprechender Autorisierungscode vor.
Ich bin skeptisch, dass so etwas überhaupt funktionieren würde – selbst wenn sich die Druckerhersteller überzeugen ließen, ein DRM-System einzubauen, und es rechtlich Bestand hätte. Schließlich wird jeder Scan eines Gegenstands durch kleine Ungenauigkeiten einen etwas anderen Datensatz erzeugen. Zudem wäre es ein leichtes, das DRM-System durch leichte Abweichungen – hier ein Millimeter mehr, dort ein Millimeter weniger – auszutricksen. Die Software bräuchte also eine abstrahierte Vorstellung von der Form des geschützten Objekts, was zwar nicht unmöglich, aber doch ziemlich anspruchsvoll ist.
Doch allein schon das Ansinnen, die aufkeimende Fabbing-Szene zu fesseln, lässt wenig Gutes für die Zukunft ahnen. Wenn Konsumgüterproduzenten tatsächlich versuchen sollten, solche aufwendigen und restriktiven Schutzmechanismen durchzusetzen, würde das meines Erachtens zeigen, dass sie zwar aus den Erfahrungen der Medienbranche gelernt haben, aber leider das falsche. Es mag ja durchaus richtig sein, sich frühzeitiger als damals die Musikbranche mit neu aufkommenden Technologien zu beschäftigen – aber warum sollten gerade DRM-Systeme, die schon bei der Musik nicht funktioniert haben, eine Lösung für physische Güter bieten?
(grh)