Energiekonzerne wollen Lagerstätten besser ausbeuten
Dank Nanotechnologie soll deutlich mehr Ă–l und Gas aus bestehenden Quellen flieĂźen.
Neuartige Hightech-Werkzeuge sollen den Öl- und Gas-Riesen helfen, bestehende Quellen besser auszubeuten. Sieben Energiekonzerne, darunter Halliburton Energy Services, BP America und ConocoPhilips, haben dazu das "Advanced Energy Consortium" (AEC) gebildet. Es ist mit einem Forschungsetat von insgesamt 21 Millionen Dollar ausgestattet, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Ziel ist die Entwicklung von Nanotechnik-Komponenten, die sich in der Erde sowohl zum Auffinden von kohlenwasserstoffhaltigen Energieträgern als auch zu ihrer verbesserten Extraktion nutzen lassen.
Derzeit ist die Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen keineswegs effizient – selbst mit den besten Methoden lassen sich oftmals nur rund 40 Prozent der wertvollen Stoffe aus dem Boden ziehen. Mit neuen Nanosensoren, die direkt in die Vorkommen eingeführt werden könnten, soll es bald möglich werden, die Lagerstätten genauestens in 3D zu kartografieren. Dadurch ließen sich die Entnahmemengen steigern und die Auswirkungen auf die Umwelt gleichzeitig minimieren, glaubt man beim AEC. Traditionell werden Ort und Größe der Vorkommen noch mit seismischen Messverfahren ermittelt – oder mit schlichten Probebohrungen.
"Dabei bekommt man verhältnismäßig wenig Informationen", sagt Nanosensor-Experte Wade Adams. Die Auflösung sei eingeschränkt, egal ob man ober- oder unterirdisch messe, das Anbohren noch ungenauer. Der Grund: Die meisten Öl- und Gaslagerstätten bestehen nicht aus großen unterirdischen Höhlen, die man wie eine Wasserquelle anzapfen könnte. Sie bilden sich stattdessen in porösen Gesteinsformationen, die wie geologische Schwämme wirken, die unter hohem Druck stehen, wie Scott Tinker, Direktor des AEC und Geologe des US-Bundesstaates Texas, erläutert. Nanowerkzeuge, die innerhalb des AEC-Projektes in den nächsten Jahren entwickelt werden sollen, sollen deshalb direkt in das ölhaltige Gestein vordringen und Messwerte liefern. Auch bei der Extraktion wäre die Technologie hilfreich: Sie könnte es erleichtern, Rest-Öl aus dem Boden herauszulösen, das in den Poren festklebt. Noch sind allerdings keine standardisierten Nanopartikel verfügbar, die unter den Extrembedingungen der Lagerstätten getestet wurden.
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(bsc)