Bitkom hält Trennung von Netz und Diensten für Investitionsbremse
Die Pläne der EU-Kommission, die Geschäftsbereiche Netze und Dienste bei Telekommunikationsanbietern aufzutrennen, seien praxisfern, meint der IT-Branchenverband. Ebenso die Schaffung einer neuen EU-Regulierungsbehörde für Telekommunikation.
Der IT-Verband Bitkom lehnt die von der EU-Kommission geplante Trennung der Geschäftsbereiche Netze und Dienste bei den marktführenden europäischen Telecom-Gesellschaften ab. Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer warnte in einer am heutigen Donnerstag veröffentlichten Mitteilung, nach einer Auslagerung des Netzbetriebs würden Investitionsanreize fehlen. Für Scheer stellt sich die Lage vielmehr so dar, dass die EU "im Gegenteil" alles tun sollte, "damit die Unternehmen weiterhin massiv in ihre Netze investieren und so die Grundlagen für neue innovative Dienste schaffen".
Für den Verbraucher gebe es auch keinen Grund für die Neuregelung, meint Scheer. Er rechnet im Einzelnen vor, dass der Preis für Inlandsgespräche seit 1997 von 31 Cent auf 1 Cent pro Minute gefallen sei – und bei Auslandsgesprächen noch stärker, mit der Möglichkeit, Call-by-Call zu nutzen, von 74 Cent auf ebenfalls 1 Cent pro Minute. Dies zeige, dass der Wettbewerb funktioniere und sich die Telekommunikationsbranche grundsätzlich von der Energiewirtschaft unterscheide, bei der die Trennung von Netz und Diensten auch im Gespräch ist.
Ebenfalls "praxisfern" seien Pläne, eine neue europäische Regulierungsbehörde für Telekommunikation mit 140 Mitarbeitern aufzubauen. Gebraucht werde lediglich eine klare Aufgabenteilung zwischen der Kommission und den nationalen Behörden. Des Weiteren müssten Unterschiede in den einzelnen Ländern berücksichtigt werden. (flo)