Nanotechnologie für das Militär
Der Physiker und Rüstungs-Experte Jürgen Altmann warnt vor einem Rüstungswettlauf auf dem Gebiet der Nanotechnologie.
"Der Hype um einen Nano-Krieg hat weltweit schon angefangen", sagte der Physiker und Rüstungs-Experte Jürgen Altmann anlässlich der Vorstellung seiner Studie "Military Nanotechnology: Potential Applications and Preventive Arms Control". Mit der Untersuchung legte er die weltweit erste Bestandsaufnahme zur militärischen Seite der Nanotechnik vor.
Längst ginge es bei den Nanoanwendungen nicht mehr nur um schmutzabweisende Oberflächen, hauchdünne Solarzellen oder gezielte Krebstherapien. "Zu den mehr als 20 militärischen Anwendungsfeldern zählen neue Werkstoffe für zerstörerischere Geschosse oder leichtere Kampfjets, Manipulationen an den Körpern von Soldaten oder neuartige Biowaffen", meint Altmann. Etwa ein Viertel der Nanoforschungsförderung der US-Regierung wurde im vergangenen Jahr allein vom Pentagon bestritten.
Die größten Gefahren sieht Altmann in der Manipulation der molekularen Maschinerie von Zellen: "Die Nanotechnik wird die Entwicklung neuer B-Waffen beschleunigen. Irgendwann haben wir womöglich mit Viren zu tun, die Biohacker in einem Kellerlabor hergestellt haben", sagte er gegenüber Technology Review aktuell. Der Experte fordert deshalb, die Konventionen über B- sowie über C-Waffen der neuen Entwicklung anzupassen. "Mikroskopische Systeme, die in den Körper eindringen können und teilweise oder ganz künstlich hergestellt sind, sollen in die B-Waffen-Konvention einbezogen werden".
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